06.06. 2005
Heute haben wir unsere Kartoffeln gepflanzt. Das war cool. Wir
hatten eine Kartoffelsähmaschine von einem Bekannten. Zwei
Leute sitzen hinter dem Traktor, und brauchen nichts anderes zu
tun, als die Kartoffeln durch ein Rohr auf die Erde zu schmeißen.
Die Maschine ist so konzipiert, dass eine Furche gezogen wird,
in die die Kartoffeln plumsen und von zwei Schaufeln zugedeckt
werden. Letztes Jahr haben wir jede Kartoffel von Hand eingesetzt
und zugegraben. Dafür haben wir eine Woche gebraucht. Mit
der Maschine geht es innerhalb eines halben Tages.
In Schweden ist der 6. Juni Nationaltag und seit diesem Jahr ein
Feiertag. Dafür wurde dieses Jahr der Pfingstmontag als Feiertag
abgeschafft. Laut Nachrichten haben die Schweden aber keine Lust
auf einen Nationalfeiertag. Warum, wird nicht erwähnt. Ein
bißchen Nonsens finde ich es auch, die Feiertage nach Gutdünken
einfach auszu-tauschen, aber wirklich auswirken tut es sich nur,
wenn wir mit Deutschland telefonieren, weil die Leute in Firmen
entweder nicht erreichbar sind, oder unerwartet zuhause anzutreffen.
Gestern war ich mit Simon an einem romantischen Bächlein
ein paar hundert Meter hinter unserem Haus. Der ganze Wald ist
schon voll Blaubeeren. Das gibt eine herrliche Ernte.
03.06.2005
Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein
her. Ich mag diesen Spruch. Und ich bin zutiefst dankbar, Elfriede
zu kennen, die ich immer anrufen kann, wenn ich denke, ich brauche
ein Lichtlein. Meistens lösen sich die Dinge dann fast wie
von selbst. Heute morgen musste ich allerdings über mich
selbst lachen. Als wir den Weidezaun neu steckten, fand ich einen
Geldbeutel auf der Wiese. Ich dachte glattwegs, da müsse
Geld für mich drin sein. War natürlich nicht so. Der
Geldbeutel war absolut leer. Vor ein paar Tagen fand ich zwischen
den Holzpaneelen auf dem Küchenboden etwas Goldschimmernde.Es
war leider nicht der erwartete Schatz, sondern ein Playmobilschatz
von den Kindern. Aber schließlich heißt es ja auch,
das Geld liegt auf der Straße. Vielleicht sollte ich mich
etwas auf die Straße verlagern.Ich bin bereit für jedes
Wunder. Und ich bin optimistisch.
Neues vom Bauernhof: Jonathan hat drei süße Entchen
bekommen, die mutterlos, jetzt in einer Holzkiste bei uns in der
Küche einquartiert sind. Heute haben wir Blenda und Elfriede
getrennt. Ab sofort gibt es keine Milch mehr für unser Riesen-kalb.
Damit ist sie allerdings nicht einverstanden, und liegt uns mit
ihrem Gemuhe schwer in den Ohren. Wen wunderts, dass mir auch
schwer ums Herz ist. Aber wir wissen: entweder wir oder Elfriede.
Ich hoffe, dass sie`s auch bald weiß.
02.06.2005
An meinem Tagebuch merke ich, dass wir gerade wirklich einen Engpass
durchwandern. Die Arbeitssuche braucht viel Zeit, da man hier
immer grössere Distanzen überwinden muss, um irgendwohin
zu kommen. Diese Zeit geht von unseren täglichen Arbeiten
am Hof ab. Auch wenn man ein Leben lebt, das man sich genau in
dieser Form gewünscht und gewählt hat, läuft nicht
immer alles so, wie man es gerne hätte. Das Wetter war dieses
Jahr im Frühling so kühl, dass das Gras auf den Weiden
nicht gewachsen ist. Die Vegetation ist ca. 4 Wochen später,
als im vergangenen Jahr. Das ist für alle Weidetier-besitzer
ein Problem, und zusätzliche Mehrarbeit. Zu allem Überfluss
macht Blenda seit 2 Tagen erhebliche Schwierigkeiten beim Melken.
Die Arbeitssuche ist dieses Jahr schwierig. Letztes Jahr hatten
die Firmen die Sommerarbeitsplätze im Juni noch nicht abgedeckt.
Dieses Jahr waren sie mit ihrer Planung bereits im Mai fertig
und brauchen derzeit keine zusätzlichen Kräfte.
Das Pflügen der Äcker wurde zu einer lang-wierigen Geschichte,
da die Böden durchnässt waren, und zusätzlich Defekte
am Traktor aufgetaucht sind.
Die Urlauber aus Deutschland in den Pfingstferien sind dieses
Jahr ferngeblieben, da die Ferien so früh waren. Kurz gesagt,
im Moment ist alles etwas besch.... Es ist erstaunlich, wie der
Blick sich für die kleinen, feinen Dinge manchmal vernebelt:
es riecht wunderbar, die ersten Kuckuckslichtnelken blühen,
am Wegrand stand gestern ein Reh und säugte ihr Kitz. Eine
Wildgansfamilie überquerte mit ihren Küken die Straße,
und heute früh sagte ein junger Elch guten Morgen.
Wir haben unsere Gemüsegärten tiersicher gemacht, und
heute kann ich den ersten Rabarber ernten.
Und zu guter letzt habe ich ein Buch gelesen, das mir absolut
Spaß gemacht hat.´Antonias Wille`, heißt
es. Geschrieben von Petra Durst-Benning. Sie hat wunderbar die
Geschichte und das Brauchtum des Schwarzwaldes im Anbeginn des
20. Jhdts. verarbeitet. Der Roman ist spannend und unterhaltsam.
Die Sprache einfach, aber wohlgewählt und sehr passend für
die Geschichte.
Simon ist auf Besuch und belebt unseren Alltag, und die Kinder
haben im Moment viel Spaß in der Schule, da jetzt vor Ferienbeginn
viele aussergewöhnliche Aktionen stattfinden. Damit wäre
doch unser Plusminuskonto ausgeglichen! Man könnte sagen:
Alles im grünen Bereich.
27.05. 2005
Wir haben die ganze vergangene Woche mit der Planung
unserer wirtschaftlichen Situation verbracht. Schlussendlich haben
wir beschlossen, dass Holger sich vorübergehend eine Arbeit
sucht. Das bedeutet ein festes Einkommen und zusätzlich dass
wir im schwedischen System sind, und damit Dinge wie z. Bsp. Arbeitslosengeld
oder Starthilfen für Selbständige möglich sind.
Es ist sehr schwer in Schweden eine Arbeit zu finden. Trotzdem,
dass die Arbeitslosigkeit sehr gering ist, gehören wir hier
vorläufig zu der Gruppe Arbeitssuchender , die die schlechtesten
Voraussetzungen hat: Ausländer, Fremde, der Sprache nicht
mächtig, was bedeutet, dass nur einfache Jobs in Frage kommen.
Wie es aussieht, hat Holger noch Glück und kann wahrscheinlich
in einem kleinen Betrieb, der Knäckebrot herstellt anfangen.
Wie wir dann unsere vielen Tätigkeiten unter einen Hut bringen,
werden wir noch sehen.
Manu zieht mit Asa am Wochenende in ein Häuschen Bei Uppsala.
Gleichzeitig organisiert er mit Simon dessen Auszug in Stockholm.
Simon wird seine Dinge erstmal bei uns deponieren, bis er weiss,
wie seine Zukunft aussehen soll. Jonathan, Lukas und Helena haben
noch zwei Wochen Schule und dann beginnen die Sommerferien. Mit
Riesenschritten nähern wir uns Mittsommer. Dabei haben wir
im Garten noch nichts angepflanzt. "Erst ab Juni dürft
ihr pflanzen", hat uns ein Einheimischer gewarnt. Für
uns Süddeutsche ist das schon ein bisschen komisch. Aber
wir halten uns an die Erfahrung der Einheimischen. Schließlich
hat es letztes Jahr auch funktioniert.
22.05.2005
Maria hat doch noch Bescheid gegeben. MacDonald ist von
den Eltern gewählt worden. Leider, so Maria, haben sie nicht
die Möglichkeit mit Jonathan und Lukas woanders hinzugehen.
Das hätte ich auch nicht verlangen wollen. Eigentlich erstaunlich,
dass die Menschen immer noch freiwillig bei MacDonald essen. Welche
Kräfte sind da am Werke? Aufklärung durch die Medien
scheint nicht so von Erfolg gekrönt zu sein, wie man denken
könnte. Städte werden von Bürgermeistern vertreten,
die die Einwohner eigentlich nicht wollten ( Es gab eben keine
Alternativen), Länder werden von Parteien regiert, die das
Volk nicht wählt und wieder andere Länder werden von
Präsidenten vertreten, die so eine anrüchige Vergangenheit
haben, dass man sie eigentlich gar nicht mehr wählen kann.
Ich wünsche mir für die Zukunft, auch wenn wir nicht
Silvester haben, dass die Menschen wieder zu mehr Aufrichtigkeit
zurückfinden und ihre Meinung vertreten ( Wenn sie nicht
vorher an einem Hamburger ersticken).
19.05. 2005
Das Wetter hat uns einen Strich durch unsere Wochenplanung
gemacht. Vorgestern hat es den ganzen Tag geschneit und wir fühlten
uns alle in den Winter zurückversetzt. Trotzdem, dass wir
den Winter hier sehr lieben, haben wir jetzt keine Lust mehr darauf.
So ging es auch den Tieren, die unter dem Schnee nach Gras suchten.
Gestern graupelte und regnete es und dazwischen schien die Sonne
und ließ Sturzbäche geschmol-zenen Schnees von den
Dächern schießen. Heute ist der ganze Spuk vorbei und
die Sonne lacht wieder vom Himmel.
Beim Nähen gestern habe ich mir ein paar Gedanken zum Unterschied
zwischen Schweden und Deutschland gemacht. Der wichtigste Unter-schied
für mich ist, dass das schwedische Volk ein sehr friedliches
Volk ist. Oft wirkt es, als ob alle eine riesige Familie wären.
Bei nur ca. 8 Millionen Menschen ist das natürlich, auch
politisch gesehen, sehr viel einfacher, als in einem Land wie
Deutschland, das auf einer halb so großen Fläche das
zehnfache an Bevölkerung aufweist. Mir ist erst in Schweden
bewusst geworden, wie geprägt die Deutschen tatsächlich
durch ihre Geschichte sind. Möchte man es negativ sehen,
hat man manchmal das Gefühl, den Schweden fehlt ein gewisser
Biß, oder auch ein gesundes Maß an Kritikfähigkeit.
Das zeigt sich manchmal in Kleinigkeiten. Ein Beispiel: Ende des
Monats macht die Klasse unserer Jungs einen Ausflug. Im Wochenbrief
wurden die Eltern über Einzelheiten informiert, unter anderem
auch darüber, dass das Mittagessen bei MacDonald eingenommen
wird. Ich schrieb Maria, der Klassenlehrerin, einen Zettel mit
dem Inhalt, dass wir unseren Kindern beigebracht haben, dass man
sich bei MacDonald nicht wirklich ernähren kann, und der
Frage ob es denn keine andere Möglichkeit für das Mittagessen
gäbe. Maria reagierte darauf ganz einfach gar nicht. In Deutschland,
da bin ich mir sicher, wäre dies anders abgelaufen. Als unser
großer Sohn noch am Gymnasium in Deutschland war, wurde
ich eines Tages aufgefordert, die fehlende Entschuldigung für
sein Fehlen im Unterricht nachzureichen. Daraufhin meldete ich
meine Bedenken bezüglich des Ausdruckes "Entschuldigung"
an, da dies ja impliziert, man habe sich schuldig gemacht. Dies
wurde im Kollegium besprochen,sicherlich auch ein bißchen
belächelt und ich wurde in einem Gespräch mit der Lehrerin
über Sinn und Unsinn von Entschuldigungen aufgeklärt.
Dies führte zwar nicht dazu, dass man sich eines anderen
Wortes bediente, aber man hat sich immerhin ein paar Gedanken
gemacht. In der Praxis sehe ich das Ganze natürlich auch
nicht so verkniffen, wie man schlussfolgern könnte. Ich werde
jedoch Maria nochmals um eine Antwort ersuchen. Die Jungs allerdings
haben sich mit ihrem Schicksal bereits angefreundet und mir großzügig
erklärt, dass sie sich bemühen werden mit dem Essen
bei MacDonald klarzukommen. Na denn Prost Mahlzeit!
15.05.2005
Es ist nicht so, dass ich keine Zeit oder Lust für die Tagebucheintragungen
hatte, sondern an der Telefonleitung krankte es. Wir hatten die
ganze Woche nur punktuell eine funktionierende Leitung und natürlich
nie dann, wenn ich Zeit für das Tagebuch gehabt hätte.
Hier nun ein paar Dinge der vergangenen Woche:
Simon hat seit Mittwoch, nach 13 Jahren Schul-bankdrücken,
endlich sein Abitur in der Tasche. Für mich bedeutet das
als Mutter wieder einen kleinen Abschied. Für Simon beginnt
ein neuer Lebensabschnitt und wir werden uns wahr-scheinlich nicht
so oft sehen können, wie in der Vergangenheit. Ich weiß
noch, als er zum ersten Mal in den Kindergarten ging; da saß
ich mit einer Freundin, deren Sohn am gleichen Tag in den Kindergarten
kam, in meinem Buchladen und weinte. Seither gab es viele kleine
Abschiede.
Am Mittwochabend hatten wir ein Treffen der "Waldmenschen",
das diesesmal in Östra Näs-berget stattfand. Der Hintergrund
der Zusammen-kunft sind die Kulturtage, die alljährlich am
letzten Juliwochenende stattfinden. Wer das Glück hat, zu
dieser Zeit im Tiomilaskogen zu weilen, kann sich Kultur, Musik,
Kunst und schwedische Speisen munden lassen. Näheres werde
ich noch berichten, wenn das Programm erstellt ist.
Am Donnerstag feierte Helena ihren Geburtstag im Kreise ihrer
kichernden Freundinnen nach. Erstaunlich, wie Mädchen, zumindest
akustisch, einer Hühnerschar ähneln können. Es
hat Spaß gemacht und der Nachmittag verging wie im Fluge.
Am Samstag war ich mit meinen Eltern und den Kindern auf einem
Pfingstmarkt in Malung. Die Mengen, die sich durch die engen Marktgassen
schoben, waren sehr ermüdent für uns an Ruhe gewöhnte
Menschen und wir waren uns einig, dass unser Bedarf an Trubel
bis auf weiteres gedeckt ist.
Und heute schließlich, war der Tag x. Nämlich jener
Tag, an dem Lars seine Ziegen, die er uns 7 Monate anvertraut
hatte, wieder abholte. Eigentlich sind wir froh, da wir schlussendlich
die stolze Anzahl von 18 Ziegen im Stall hatten. Aber mit dem
Herzen zählt man nunmal nicht. Und so verbrachten die Kinder
den ganzen Nachmittag bei den Ziegen und ich den ganzen Tag mit
einem mulmigen Gefühl im Bauch. Als Lars dann endlich heute
abend auftauchte, wurde es höchste Zeit, die Sache hinter
uns zu bringen. Immerhin sind noch 10 Ziegen im Stall, die wir
unser Eigen nennen. Und die anderen 8 besuchen wir im Sommer auf
der Sennerei, wo sie den Sommer verbringen werden.
9.05.2005
Wir sind wieder online! Von gestern Nachmittag bis heute Abend
hatten wir keine Telefonverbindung. Bei Gewitter geschieht das
häufig. Man gewöhnt sich daran und wartet eben, bis
es wieder funktioniert. Das Längste waren bis jetzt drei
Tage. Dasselbe gilt für Stromausfall. Da wir mit Holz heizen
und kochen ist das kein Problem. Das Wasser können wir dann
mit Eimern vom Brunnen holen.
Unser Stall ist mittlerweile ein richtiger Kinder-garten. 5 Lämmer
und 6 Zicklein springen herum. Als wir heute abend die Schafe
von der Weide in den Stall holten, gab es ein heilloses Durcheinander:
alle Lämmer hatten ihre Mamas verloren, die sich kurzfristig
mehr fürs Futter interessierten. Da standen sie und brüllten
im Chor:Mähmäh. Und es klang wirklich wie Mama. Ich
konnte natürlich mein Mutterherz nicht verleugnen und verteilte
eilends die Lämmlein an die passenden Mamas. Wahrscheinlich
würde mich jeder gestandene Bauer auslachen. Ich aber bin
überzeugt davon, dass jedes Tier im Grunde seiner Seele genauso
geliebt werden möchte, wie jeder Mensch. Deshalb agiere ich
manchmal auch als Kuhflüsterin. Gestern morgen allerdings,
als Blenda beim Melken zuerst gegen den Milcheimer trat, der daraufhin
umfiel, und mir anschließend ständig ihren Schwanz
um die Ohren schlug, da war es bei mir vorbei mit dem Flüstern.
Laut und für alle im Stall hörbar, erklärte ich
Blenda, dass sie eine blöde Kuh sei. Sie schaute mich mit
ihren großen Kuhaugen an und zeigte sich weder von meiner
Erkenntnis, noch von meinem Ausbruch sonderlich beeindruckt. Dann
eben nicht.
6.05.2005
Gestern hatten Helena und ich Geburtstag. Helena hatte sich für
diesen Tag einen Ausflug gewünscht. Da im Moment noch Vorsaison
ist, war die Auswahl nicht sehr üppig. Wir haben uns für
die Besichtigung eines Wikingermuseums auf einer Insel im Siljansee
entschieden. Abgesehen davon, dass es auf dieser Insel ungefähr
150 Wikinger-gräber gibt, von denen nur ca. 20 Stück
ausgegraben wurden, haben wir nicht so viel über das Leben
der Wikinger erfahren. Dafür erzählte uns die Frau,
die extra für uns eine Führung machte, einiges über
das Inselleben im 18.Jhdt., was für uns auch sehr interessant
war. Anschließend genossen wir am See noch ein bißchen
das herrliche Wetter, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zuhause
warteten schon Manu und Simon und meine Eltern auf uns. Gemeinsam
haben wir die köstlichen Obstkuchen, die meine Mutter gebacken
hat, verschlungen. Nachdem ich um halb zwölf abends den letzten
Anruf entgegengenommen hatte, habe ich mir für die Zukunft
vorgenommen, niemand mehr an seinem Geburtstag anzurufen. Lieber
schreibe ich einen Brief oder eine e-mail. Das ist für die
Geburtstagskinder stressfreier und schöner. Und auch für
die Gratulanten angenehmer, weil nicht so frustrierend, wie wenn
ständig die Leitung belegt ist. Da vor einer halben Stunde
ein süsses Lämmchen das Licht der Welt erblickt hat,
werde ich jetzt enden und in den Stall gehen.
1.05.2005
Am Donnerstag hatte meine Mutter ihren 65. Geburtstag.
Wir haben ihr 6 Küken geschenkt, über die sie sich sehr
freut. Zum Kaffee waren Ake und Mona aus dem Dorf da. Es macht
viel Spass mit ihnen zu sprechen. Ake ist hier geboren und kennt
sich dementsprechend gut aus.
Heute ist unser erstes Lämmchen geboren. Die nächsten
zwei Wochen erwarten wir noch einige Jungtiere. Das Walpurgisfeuer
haben wir gestern ausfallen lassen, da es geregnet hat und wir
uns auch nicht aufraffen konnten nach Malung zu fahren. Stattdessen
haben wir mit den Kindern einen schwedischen Kinderfilm im Fernsehen
gesehen. Das war zwar nicht ganz stilecht, aber entspannend.
26.04.2005
Heute morgen habe ich mir bei der Hausarbeit schwedische Lektionen
aus der Sprachschule angehört. Ich habe jedes Wort verstanden.
Damit habe ich das Ziel des SFIkurses(schwedisch für Einwanderer)
erreicht.Das hat mich zufrieden gemacht. Allerdings ist das Können
natürlich relativ. Wenn ich mit einem Einheimischen spreche,
ist das mit dem Verstehen so eine Sache.Ich gehe nach Hause und
i gang hoim haben auch nicht so viel gemeinsam. In Malung gibt
es noch eine Steigerung zum Schwäbischen:Malungsmal. Das
ist eine eigenständige Sprache, die auch die Jungen heute
nicht mehr verstehen und mit dem üblichen schwedisch nichts
gemein hat. Diese Sprache ist Zeuge dafür, wie abgeschnitten
vom Rest der Welt die Menschen früher gelebt haben. Ich glaube
nicht, dass wir die nächste Zeit das Bestreben haben,diese
Sprache zu lernen. Gleichwohl muss es irgendwann mal Schwaben
in Schweden gegeben haben.Das schwedische offene o und das schwäbische
o wie etwa bei:horch mol hören sich sehr identisch an.Und
in Mora gibt es gar einen Frisör, dessen Geschäft Horwerg-schdadd,
geschrieben harverkstad heißt. Wenn das kein Beweis ist.
23.04.2005
Gestern morgen hat Lilu, eine unserer Ziegen, ein wunderschönes
Ziegenböcklein auf die Welt gebracht. Der Kleine war so fit,
dass er schon, mit den Hinterbeinen noch im Mutterleib steckend,
zu meckern begann. Es ist immer wieder fantastisch, wie perfekt
die Natur ist. Eine Stunde nach der Geburt lief er herum und trank
bei seiner Mama und am Abend spielte er quietschfidel mit Helena.
Heute habe ich den ganzen Nachmittag Holz für den nächsten
Winter gehackt. Die Arbeit macht mir richtig Spass. Holger ist
währenddessen im Dorf unterwegs gewesen und hat sich die
verschiedenen Wiesen mit den jeweiligen Besitzern angeschaut,
die er im Laufe des Sommers als Weide, bzw. Heuwiese bearbeiten
will. Es ist erfreulich, wie die Dorfbewohner jetzt nach 16 Monaten,
die wir hier sind, aufgetaut sind. Alle finden es toll, was wir
tun und sind froh, dass wir Verwendung für das Gras haben.
Wir sind die einzige junge Familie im Dorf und haben mit unseren
Tieren und unserem Hof alte Erinner-ungen geweckt. Deshalb wollen
uns alle, wo sie können unterstützen. Ich finde es auch
sehr schade, dass die jungen Leute alle in die Stadt ziehen wollen.
Die Häuser in den Dörfern werden an Sommerurlauber verkauft
und die meiste Zeit des Jahres stehen sie leer. Im Wald leben
vorwiegend alte Menschen und in zehn Jahren werden viele von ihnen
gestorben sein und die Dörfer mit ihnen. Dieses Problem gibt
es in ganz Schweden, ist aber in Mittel-und Nordschweden besonders
gravierend.
19.04.2005
Der Mensch ist, was er ißt,
hat Paracelsus gesagt. Wie recht er hatte und wie weit wir uns
heute von natürlicher Ernährung entfernt haben. Was
das genau mit uns macht, darauf habe ich noch keine verlässliche
Antwort. Aber ich ahne es und hoffe, dass sich das Bewusstsein
für die Ernährung wandelt. In Schweden sind es grade
mal 8 Prozent ökologisch hergestellte Nahrungsmittel und
von diesen werden nur 6 Prozent gekauft, habe ich heute in einer
Broschüre in der Bücherei gelesen. Die Zahlen in anderen
Ländern sind wahrscheinlich nicht besser. Hühner
sind ein sehr gutes Beispiel. Sie wurden so genetisch verändert,
dass im Vorfeld schon klar ist ob sie Eierproduzenten oder Fleischlieferanten
werden. In beiden Fällen werden sie so ausgebeutet, dass
kein Huhn älter als 3 Jahre wird. Fast niemand weiss, dass
Hühner 10 und mehr Jahre werden können. Und die Hühner
wissen nicht mehr, wie man Eier ausbrütet, oder was sonst
mit einem natürlichen Hühnerleben zu tun hat. Über
die Hormongaben, Massenhaltungen und so weiter wollen wir hier
gar nicht mehr reden. Das ist so schlimm, dass es sogar bis in
die Öffentlichkeit gedrungen ist. Aber ein kluger Geschäftsmann
hat die Gefahr gleich gebannt, indem er verkündete, dass
die eigentliche Gefahr von freilaufenden Hühnern kommt, nehmen
diese doch die Umweltgifte auf....! Da lobe ich mir unsere Mala,
die seit 5 Tagen unermüdlich auf ihren Eiern sitzt und brütet.
Ich habe sie mir heute angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen,
dass sie in einer Art Trance verweilt und wahrscheinlich tolle
Dinge erlebt, von denen wir nur träumen können.
17.04.2005
Jetzt kommt die Zeit, in der wir unsere Arbeiten nach draussen
verlegen können. Die Kraniche sind aus dem Süden zurück.
Heute flogen die Wildgänse gen Norden. Die Luft ist erfüllt
von Vogelgezwitscher. Gestern haben wir unser erstes Lagerfeuer
gemacht. Heute morgen ließen wir die Kühe zum erstenmal
aus der Winterweide auf die große Weide hinaus. Solch eine
Freude muss man miterlebt haben.Blenda kniete sich nieder, grub
ihr Gesicht in die Erde, rieb ihren Kopf in eine Fichte, als wollte
sie sich endlich wieder mit den Grüchen der Natur eindecken.
Zu dritt galoppierten sie wie verrückt über die Weide.
Das hätte ich der trächtigen Gertrude gar nicht zugetraut.
Auch die Schafe machten Hüpfer aus purer Freude am Leben.
Und auf der Südwiese standen die Rehe und labten sich an
den zarten Gräslein. Das ist mein Leben, wie ich
es mir wünsche.
12.04.2005
Am Montag fuhr ich mit Manu nach Stockholm, um mir ein Theaterstück
der Deutschen Schule Stockholms anzusehn, bei dem Simon mitwirkte.
Ich übernachtete bei Simon und fuhr am Dienstag wieder nach
Hause. Zwei Tage, an denen ich so viele Menschen sah, wie die
letzten 18 Monate nicht. Menschen, Lärm, Parfumgeruch, Hektik,
Echauffiertheit. Ein Leben, das sich gravierend von meinem unterscheidet.
Es wäre mir nicht möglich, in einer Stadt und unter
den dortigen Bedingungen zu leben.
08.04.2005
Es ist die Zeit der katholischen Kirche, könnte man meinen.
Millionen sind nach Rom gepilgert um bei der Beisetzung des Papstes
dabei zu sein. Und die Sonntage nach Ostern sind mit Kommunionsfesten
ausgebucht. Speziell zu diesem Fest habe ich ein gebrochenes Verhältnis.
Zeigt es doch am deutlichsten, dass nicht der Glauben der Hintergrund
für dieses Fest ist, sondern das ganze in gesellschaftliche
Abläufe eingebettet ist. Mit ungefähr 10 Jahren kommt
man zur Kommunion. Und plötzlich gehen Menschen in die Kirche,
die diese sonst nur von Außen kennen. Aber das macht man
eben so.
In Schweden gibt es das natürlich auch. Nur dass das ganze
lockerer gehandhabt wird, zumindest bei uns in Malung. An der
Schule unserer Kinder gibt es keinen Religionsunterricht, dafür
lernen die Kinder aber sehr viel über die 5 großen
Welt- religionen. Der Sonntag ist nicht heilig, aber wenn man
will, kann man ihn heiligen. Die Kirchen werden gerne benutzt,
vor allem auch für Musikkonzerte jeglicher Art, und es darf
gelacht und geredet werden. Es gibt viele religiöse Menschen,
aber das ist für die anderen nicht so wichtig, ob man zu
dieser oder jener Religion gehört, und schon gar nicht zahlt
man Steuern dafür, daß man einer bestimmten Glaubensrichtung
angehört. Die Feste sind noch geprägter von vorchristlichen
Zeiten und man kann auch als nicht religiöser Mensch an altem
Brauchtum teilhaben.
03.04.2005
Die Zeit rast wie verrückt. Tausend Dinge sind zu
tun. Die letzten Tage haben wir unsere Küche renoviert. Gut,
dass die Kinder super drauf waren und prima mitgemacht haben.
Trotz aller Arbeit gibt es über den Tag verteilt, immer wieder
Momente, in denen fühle ich mich, wie im Urlaub. Das Wetter
ist seit Tagen unbeschreiblich schön. Die Vögel singen
und ich kann meine Wäsche im Freien trocknen. Die Hühner
sind eifrig unterwegs, auf der Suche nach Essbarem. Anni springt
immer wieder ums Haus und hält nach Helena Ausschau. Heute
Mittag ist mir wieder aufgefallen, dass mich unser Grundstück
ans Kalte Feld erinnert. Früher dachte ich öfters, dass
es fantastisch sein müsste, so zu wohnen. Ich hätte
es nicht für möglich gehalten, dass mir das wirklich
gelingen könnte. Ich bin unsagbar glücklich darüber.
30.03.2005
Freud und Leid liegen oft sehr nahe zusammen. Doch wir
hatten einfach Glück, als unsere Harmonie jäh unterbrochen
wurde.
Nach einem strahlenden Sonnentag ging die Sonne rotglühend
am Horizont unter. Holger und ich verabredeten uns nach der Stallarbeit
zu einem kleinen Abendspaziergang auf unserem Grundstück.
Plötzlich ein Schrei vom Brunnen. Anni, unser Zicklein ist
in den Brunnen gesprungen. Tiefe:ca.4Meter. Holger rannte, um
eine Leiter zu holen, ich rannte zum Brunnen, und rief Anni hilflos
zu, nicht aufzugeben. Mittlerweile ging sie schon unter und bei
jedem Schrei hörte ich, wie sie Wasser schluckte. Endlich
war die Leiter da. Es war nicht einfach sie unter der Tanne in
den Brunnen einzufädeln. Hastig stieg Holger hinab und konnte
Anni noch am Ohr erwischen. Eine Minute später und es hätte
keine Rettung gegeben. Nachdem wir sie abgerieben, und ihr Rescuetropfen
gegen den Schock verabreicht hatten, suchte sie Schutz am Euter
ihrer Mutter.Mich würgt noch immer das Grauen bei der Vorstellung,
dass es hätte nicht so gut ausgehen können, und ich
bin wieder einmal restlos davon überzeugt, mit einem Superheld
verheiratet zu sein.
26.03.2005
Gestern war skärstorsdag. An diesem Tag gehen die Kinder
als Hexen verkleidet umher, und wünschen ein frohes Osterfest.
Dafür bekommen sie Süssigkeiten oder Geld. Als Helena
gestern von der Schule kam, verkleidete sie sich und zog mit Besen
und Körbchen ausgerüstet los. Bei der zweiten Runde
sind Jonathan und Lukas mitgegangen. Sie besuchten jedes Haus
in Östra Näsberget. Bei ca. 20 Häusern ist das
machbar. Die Leute freuten sich sehr, ist doch allen der Brauch
geläufig. Eine alte Frau sagte, dass sie das nochmal erleben
dürfte, hätte sie nicht gedacht. Die Kinder kamen fröhlich
nach Hause, verteilten ihre süsse Beute und beschlossen,
nächstes Jahr wieder loszuziehen.
Kleine Käsekunde
Die Käseherstellung erfordert Erfahrung. Auch sind Kuhmilch
und Ziegenmilch unterschiedlich zu handhaben, da die Zusammensetzung
von Eiweiß und Fett sehr verschieden sind. Aber nun mußte
ich feststellen, daß der Kosmos auch noch ein Wörtchen
mitredet. Die Forschungen Maria Thuns im Hinblick auf die Einflüsse
der Planetenstände auf die Milchverarbeitung waren mir bekannt.
Da ich aber sowieso schon mit meiner Zeit hadere, beschloss ich,
die Planeten zu ignorieren. Gestern nun wollte ich mich der Milchverarbeitung
intensivst widmen und stellte deshalb Quark, Ziegenkäse und
Kuhkäse parallel her. Mit dem Ergebnis, daß mir nichts
zufriedenstellend gelang. Nachdem ich überprüfte, ob
ich alle Schritte vorschriftsmäßig durchgeführt
hatte, blieb mir nur der Blick in den Konstellationskalender:
heute auf keinen Fall Milchprodukte herstellen! An wässerigen
Tagen zerfließt alles! Das habe ich gemerkt. Die Tiere haben
sich über den Joghurt gefreut, und ich werde meinen nächsten
Käse am Dienstag, einem Lichttag, herstellen.
23.03.2005
Wir haben wieder Zuwachs bekommen: zwei Ziegen und ein Böcklein.
Gestern morgen, gleich nach dem Stall sind wir die 120 Kilometer
nach Orsa gefahren, um uns Ziegen, die Milch geben, zu holen.
Seit zwei Wochen hatte ich keine Milch mehr, da Lisa, die Ziege,
die mich seither mit Milch versorgte, bald Nachwuchs bekommt.
Nun kann ich wieder mit der Käseproduktion beginnen. Der
Hof, auf dem wir die Ziegen kauften, ist sehr imponierend. Wunderschöne
Fjällkühe, mindestens 20 Kaltblüter und jede Menge
Ziegen nennt der Bauer sein Eigen. Aber Holger und ich waren uns
einig: so wollten wir das nicht haben. Die Tiere stehen den ganzen
Tag an der Kette im Stall und können zwischen liegen und
stehen wählen. Eine der schönsten Erfahrungen, die wir
im vergangenen Jahr machten, ist: egal ob Huhn, Ziege oder Kuh,
jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und alle sind ihrer Art
entsprechend unglaublich klug. Unsere Arbeit mit den Tieren basiert
auf gegenseitigem Vertrauen und der Beziehung, die man zu jedem
einzelnen Tier aufbaut. Von unseren Tieren haben wir sehr viel
gelernt.
20.03.2005
Gestern abend sahen wir einen amerikanischen Film im schwedischen
Programm, dessen Thema der Krieg in Ex-Jugoslawien war. Eine Geschichte,
die nach wahren Begebenheiten gedreht wurde. Eine Amerikanerin
begibt sich mitten in den serbisch-kroatischen Krieg, um ihren
Mann, der, als Fotograf an der Front, für toterklärt
wurde, heimzuholen. Tatsächlich gelang es ihr, ihn zu finden.
Auch sie kannte Krieg aus den Medien, wie die meisten von uns.
Die Grausamkeit, die Brutalität erfasst sie durch das direkte
Erleben. Die Sinnlosigkeit und der Wahnsinn jeden Krieges
wird einem gnadenlos vor Augen geführt. Brauchen wir immer
noch den zweiten Weltkrieg, um uns mit diesem Thema auseinanderzusetzen?
Die Deutschen augenscheinlich schon, nahmen sie doch dieses Jahr
an der Oskarverleihung abermals mit dieser Thematik teil. Ich
glaube, mit dem Thema zweiter Weltkrieg brauchen wir uns nicht
mehr beschäftigenden, mit dem Thema Krieg sollten wir uns
nach wie vor auseinandersetzen. Wollen wir nachhaltig etwas verändern,
müssen wir bei unseren Kindern ansetzen; müssen wir
die Gradwanderung gehen zwischen gehorchen und selbständig
denken. Unsere Familie macht jeden Sonntag eine Familienkonferenz.
Die Themen sind immer ähnlich gelagert: Was darf man, was
muss man. Wir wollen Gerechtigkeit, also brauchen wir Regeln.
Berufen wir uns nur auf Regeln, können wir nicht mehr selbst
entscheiden. Wann dürfen Regeln gebrochen werden? Wenn es
uns keinen eigenen Vorteil verschafft nicht, wenn wir Nutznießer
sind schon eher. Für uns Erwachsene sind diese Konferenzen
Arbeit, für unsere Kinder politisches Lernfeld. Ein Bekannter
sagte einmal zu mir: Schafe, die einmal ausgebrochen sind, tun
das immer wieder. Die muss man schlachten. Ich sage: Ein Schaf,
das ausbricht, weil auf der Wiese nebenan besseres Gras wächst,
ist klug und kann sich im Notfall selbst versorgen. Das ist den
Mehraufwand allemal wert.
17.3.2005
Heute hatten die Kinder schulinternen Vasaloppet. Sie
hatten eigentlich keine grosse Lust, zumal sie befürchteten,
da sie noch nicht so skierfahren wie die schwedischen Kinder sind,
als letzte ins Ziel einzulaufen. Nachdem fröken erklärte,
dass es darum nicht geht, hatten doch noch alle Riesenspass.
Unsere Hühner steigern sich allmählich im Eierlegen.
6 Stück konnte ich heute verbuchen. 3 davon gar schon heute
morgen um 8. Frühling lässt grüßen.
Holger und ich hatten heute einen sehr staubigen Tag. Wände
schleifen im Flur! Das vernebelt die Sinne und den Blick. Warten
wir auf klarere Zeiten.
13.3.2005
Nun hat uns doch noch mal der Winter etwas eingeholt. Minus 20
Grad zeigte das Thermometer heute morgen. Aber wir lassen uns
nicht beeindrucken. Immerhin fangen die Hühner an, Eier zu
legen. 4 Stück waren es heute. Das ist ein gutes Zeichen.
Deshalb werde ich nächste Woche die Gartenplanung beginnen.
Wir sind Mitglied im Verein Arche Noah, einem Verein der sich
für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt. Im
Gegensatz zu den herkömmlich erhältlichen Samen, gibt
es keine Hybride, und man kann sein eigenes Samengut nachziehen.
Ausserdem macht es Spass, Kontakt mit Menschen zu bekommen, die
eine gute Einstellung zur Natur haben. Arche Noah besitzt zum
Teil ein eigenes Warenlager, gibt aber vor allem einen Katalog
mit dem Samen-angebot aller dem Verein angeschlossenen Erhalter/innen
heraus. Letztes Jahr bestellte ich Blumensamen in Mecklenburg
Vorpommern, Heilkräutersamen in der Toscana und Getreide
in Österreich. Von überall her bekam ich nette Post
mit den Samen geschickt. Das Angebot ist sehr vielfältig.
Zum Teil alte Sorten, die man heute überhaupt nicht mehr
kennt. Wer Interesse hat, kann sich informieren unter: www.arche-noah.at.
9.3.2005
Seit Sonntag ist Manu hier. Er hat unsere alten Türen
abgeschliffen und wir sind glücklich, dass wir immer wieder
neue Schätze in unserem Haus entdecken. Im Jahre 1865 wurde
es erbaut. Der Hausherr gehörte zur damaligen Zeit zu den
reichen Menschen. Das spiegelt sich wieder in der Bauweise. Ein
echtes Blockhaus, dessen einzelne Balken 11 Meter messen und alle
mit der Axt von Hand geschlagen wurden. Jedes Stück Holz,
das verarbeitet wurde, ist von Hand angefertigt. Als das Haus
in den vierziger Jahren renoviert wurde, wurde alles fein säuberlich
mit Kartonplatten zugenagelt. Und wir können nun Stück
für Stück wieder herausholen, was jahrelang im verborgenen
lag.
6.3.2005
Frühlingswinter
Wir haben ein Bombenwetter.Blutrot geht die Sonne auf
und leuchtet auf unseren Frühstückstisch. Tagsüber
hat sie so viel Kraft, dass sie alles zum Schmelzen bringt. Auch
unsere Herzen. Frühlingsfreude kommt auf, und es ist leicht
nach vorne zu schauen. Die Kinder holen die Fahrräder heraus
und wir trinken unseren Kaffee vor dem Haus. Auch die Tiere lassen
sich wieder sehen.Elche, Füchse, Auerhähne. Und über
den Schnee huschen die Mäuschen geschäftig hin und her.
3.3.2005
Gestern Abend waren Holger und ich beim ersten Treffen für
die Kulturtage 2005. Am letzten Juliwochenende veranstalten die
Dörfer, bzw. Höfe im Tiomilaskogen dieses Event. Man
kann ausgestellte Kunst bewundern, Handwerk begutachten oder Musik
hören. Natürlich gibt es auch Gaumenfreuden. Holger
und ich haben beschlossen, für Östra Näsberget
stellvertretend, teilzunehmen. Das Treffen war angenehm und wieder
wurde mir bewusst, wie relaxt im Gegensatz zu den Deutschen, das
schwedische Volk ist. Nichts wird breitgetrampelt. Wenn es auf
eine Frage keine Antwort gibt, wird mit den Worten: Wir werden
eine Lösung finden! zum nächsten Punkt weitergegangen.
Fantastisch.
Heute abend hatte ich ein lustiges Erlebnis: Auf dem Weg zum Stall
traf ich Holger auf dem Hof. Er sagte: Ein Elch steht am Briefkasten.
Ich rein ins Haus, Foto gezückt, schnell zum Briefkasten.
Meine Stiefel knirschten laut auf dem harschen Schnee, also beschloss
ich, da ich keine Chance hatte, mich leise anzuschleichen, das
Gegenteil zu tun: Von weitem rief ich: Hallo, ihr Elche, ich will
euch nur fotografieren. Entgeistert schauten sie in meine Richtung,
ich weiss nicht, ob sie mehr über mich oder über Anni,
unser Zicklein, das fröhlich meckernd neben mir her hüpfte,
verblüfft waren. Jedenfalls schoss ich fünf Bilder.
Als sie immer noch stehenblieben, winkte ich ihnen, rief einen
Gruss und ging wieder zum Hof zurück. Und wers nicht glaubt,
schaut sich die Bilder auf der Seite Kontakt
an. Leider sind sie wegen der Dämmerung etwas dunkel geworden.
1.3.2005
Gestern abend hatte ich ein tolles Telefonat mit meiner Tochter.
Es regte mich dazu an, mich nochmal mit Bereichen auseinanderzusetzen,
die mich schon immer interessierten, im Alltag aber wieder in
den Hintergrund getreten sind. Jonathan, Lukas und Helena haben
1 Woche schulfrei. Der Anlass ist der Wasaloppet, ein Langlaufski-marathon,
der jedes Jahr Tausende nach Dalarna lockt. Gestern begannen die
ersten Läufe und die Parkplätze in Mora waren voll mit
Bussen aus Norwegen, Finnland und ganz Schweden.
25.2.2005
Endlich ist unsere homepage im Netz.
Im Tagebuch werde ich alle paar Tage über die kleinen und
vielleicht auch grossen Geschehnisse in der Villa Berg berichten.
Zur Info für alle in Deutschland Lebenden: der Sturm hat
uns nicht hinweggerafft, da er nur im Süden Schwedens wütete.
Jetzt ist die Zeit des Frühlingwinters. Tagsüber kann
man in der Sonne im Schnee sitzen, und die warmen Strahlen geniessen,
die Eiszapfen tropfen und der Schnee schmilzt. Nachts sinken die
Temperaturen noch in den Minusbereich, vorgestern gar bis minus
18 Grad