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2008

 

10.01.2009

Ich wuensche Allen ein gutes neues Jahr. Fuer die Weihnachtswuensche bin ich zu spät. Ich habe keine Luecke gefunden, in der ich das Tagebuch hätte pflegen können. Vom 21.12.- zum 03.01. stand Berg unter dem Stern der Familie. Alle hatten es geschafft, ueber Weihnachten bei uns zu sein. Und trotzdem, dass es turbulent zuging, haben wir es geschafft, die "Bigbrothersituation" gut zu meistern. Am Donnerstag nun hat auch fuer unsere drei Nachkömmlinge hier die Schule wieder angefangen, und ich geniesse ein bisschen die Alltagsroutine. Seit gestern sind auch die Temperaturen wieder gestiegen. Ueber Wochen lag die Temperatur immer unter -10 Grad, was auf die Dauer anstrengend ist. Die in Deutschland Lebenden können dieses Jahr ja auch ein Lied davon singen. Allerdings sind wir auf dem Lamahof noch gut dran. Durch unsere Höhenlage lagen unsere Temperaturen im Schnitt gegenueber Malung, das am Fluss liegt, oder den Värmländern weiter im Sueden, die im Tal und am Fluss liegen, um ca. 10 Grad höher. Das heisst, die um uns Herumlebenden hatten im Schnitt - 20 und weniger. Normalerweise hält so eine Kälte nur ein paar Tage an. Aber was ist schon normal.
In Malung hat ein Mann 16 Millionen Kronen gewonnen. Letzte Woche ist sein Haus abgebrannt und er selbst ist in den Flammen gestorben. Welch ein Schicksal!
Was soll ich sagen, fuer 2009 haben wir uns vorgenommen, unser Projekt " Lamagård Berg" zum Erfolg zu fuehren. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, die Seite " villaberget" zum Ende des Monats entgueltig zu schliessen. Ich möchte meinen geistigen Fokus auf www.lamagard.se lenken. Unter dem Wort "gård" werden wir auf alle Fälle Bilder vom Lamahof und auch das ein oder andere an Wissenswertem bringen. Sollte jemand mehr oder spezifischere Infos haben wollen, so darf er / sie gerne Kontakt mit mir aufnehmen.
Im Laufe der nächsten Wochen wird es eine Seite geben, deren Adresse : www. tiomileskogen.com lauten wird. Dies wird eine gemeinsame Startseite fuer unseren Tourismusverein sein, der sich vor ein paar Wochen gebildet hat. Ueber diese Seite findet man bspw. einen Campingplatz oder ein Blockhuettendorf hier im Wald, wo es die Möglichkeit gibt, einen Urlaub zu verbringen. Warum nicht mal selbst herkommen und sich ein Bild vom Leben in unserem Wald machen?
Es hat mir immer Spass gemacht, im Tagebuch zu schreiben und ich danke allen treuen Lesern- und Leserinnen, die mich immer wieder ermutigt haben. Aber nichts bleibt ewig bestehen. Selbst meine deutsche Rechtschreibung sitzt nicht mehr mit der gleichen Sicherheit, wie frueher. Somit erspare ich euch manch groben Schnitzer, der sich vielleicht unbemerkt einschleicht, ich könnte auch noch anfuegen: man soll aufhören zu essen, wenn es am besten schmeckt, man soll heimgehen, wenn es am Schoensten ist.....
Zum Abschluss noch ein paar schwedische Worte: vi ses- wir sehen uns, ha det så bra- machs gut und hej då!

Antonia Bensching

 

Unsere zwei speedies----------------------------------------Miriam ist immer vorne dran



Unsere ersten eigenen Bratwuerste------------------------Das Angebot in unserem Hofladen wächst

06.11.2008
Ein paar Meldungen vom Lamagård:
Die Temperaturen liegen zwischen nachts -3 Grad und tags +10 Grad. Schöne Sonnenauf-und untergänge stimmen uns mild. Die Sonne tagsueber machts möglich weiterhin Aussenarbeiten zu betreiben. Unsere Wasserstation ist so gut wie fertig. Der Wasserhahn am Stall wurde mit einem Wärmekabel versehn und funktioniert auch. (Welch ein Luxus). Nun wird noch die Aussenbeleuchtung aufgemöbelt, dann kann uns die Dunkelheit ruhig einhuellen.
Nachdem unsere Riesenfjällkuh Elfriede neun Monate lang träge, unfreundlich und unberechenbar war, hat sich die vermeintliche Schwangerschaft als eine Scheinschwangerschaft entpuppt. Nun bot sich uns die Gelegenheit einen Stier zu bekommen. Seit 2 Tagen weilt Anders auf unserem Hof. Wer denkt ein Stier sei ein monströses Tier, hat im Falle Anders nicht recht. Anders Papa war ein reinrassiger " fjällnaher" Stier. Diese Rasse ist sehr klein (Anders geht mir ungefähr mit dem Kopf bis zur Schulter) Diese urspruengliche Rasse lebte vorwiegend im Wald, ernährte sich von Rinde, Moos, Pilzen etc. Sie sind sehr widerstandsfähig und die Kuehe geben zwar weniger, aber dafuer fettere wohlschmeckende Milch. Fuer Anders ist Elfriede ganz schön anstrengend, aber er ist ruhig und lieb und irgendwie kriegt er es mit ihr gebacken.
Erika hat nun endlich Nandugesellschaft. In einem Landwirtschaftsgymnasium stöberte ich eine Nanduzucht auf und wir konnten dort 2 im Mai geborene Nandujunge bekommen. Die feine Art dieser Tiere fasziniert mich noch immer.
All diese Veränderungen haben wiedermal einige Unruhe in unsere Stallroutine gebracht, aber erfahrungsgemäss setzt sich dies bald wieder. Demnächst setze ich wieder ein paar Bilder ins Netz. Im Moment habe ich keine Zeit, weil wir die nächsten Tage an einer Unternehmensmesse teilnehmen und dies einige Organisation erfordert. Aber dann...



21.10.2008
Ich muss gestehen, dass ich damit geliebäugelt hatte mein Tagebuch entgueltig zu schliessen. Nachdem ich mich jetzt ein Weilchen mit diesem Gedanken getragen hatte, musste ich feststellen, dass dies kein so leichtes Unterfangen ist, wie ich mir das gedacht hatte. Zum einen ist mir die Schreiberei doch ein liebes Kind geworden, das allerdings in seiner Entwicklung nicht stehen geblieben ist. Nun muss ich hinterherhinken und zusehen, wie ich mit diesem weiterentwickelten Kind lerne, neu umzugehen. Zum anderen ist es nicht so, wie manche Menschen vermuteten, dass mir der Stoff ausgegangen ist ( wer mich kennt weiss, wie es manchmal sprudelt). Aber, was wirklich ausschlaggebend ist, ist, dass es einige Menschen auf diesem Planeten gibt, die mein Tagebuch gern lesen und die es bedauern wuerden, wenn es nicht weiterginge. Da alle diese Faktoren zusammenlaufen wird es zukuenftig also weiterhin Berichte vom Lamahof geben. Ob diese , und wie diese sich von dem bisherigen Tagebuch unterscheiden werden, kann ich nicht sagen. Da muessen sich beide Seiten ueberraschen lassen.

 

07.10.2008
Lange ists her... In den letzten Tagen habe ich mir einige Gedanken zu unserer homepage gemacht und unter anderem auch dem Tagebuch. Fast fuenf Jahre sind vergangen, seit wir nach Schweden ausgewandert ( oder eingewandert?) sind. Unser Leben hat die Formen eines Alltags weitgehens angenommen. Damit ist auch der urspruengliche Gedanke, ein Beispiel fuer eine Auswanderung in Form eines Tagebuchs zu geben, nicht mehr aktuell. Obwohl natuerlich immer wieder neue Dinge passieren, fuehlt es sich fuer mich nicht mehr stimmig an, eher als ob sich Wiederholungen und auch Privates versuchen in einer Form einzuschleichen, die mir nicht angenehm ist. In erster Linie hat das mit meiner veränderten Perspektive zu tun, die mir nicht mehr gleichermassen erlaubt, mich ausserhalb der Dinge zu stellen, sondern mich mein Leben von Innen zu betrachten nötigt, was die Art der Darstellung beeinflusst. Ob dies ein Zeichen ist, dass ich angekommen bin, kann ich nicht bejahend beantworten. Ich habe mich mit dem Platz, nämlich dem Lamahof verwurzelt, aber das hindert mich nicht daran, mir auch vorstellen zu können, mich nochmals zu verändern.( Das heisst nicht, dass wir mit dem Gedanken spielen oder ich ein ruheloser Geist bin, sondern nur, dass ich niemals nie sage, was die Sinne offen hält und Stagnierungen vorbeugt.) Wie auch immer wird sich die Form unserer Seite etwas ändern und ich werde nicht mehr so regelmässig schreiben, wie ich es bis dato getan habe. Es wird sicherlich immer wieder bildliche Impressionen geben, und sicher auch die ein oder andere Beschreibung, aber wie dies in der Praxis genau aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Es wird sicherlich nicht vergebens sein, ab und zu mal vorbeizuschaun und es wäre schön, wenn ihr die Leute vom Lamahof nicht ganz vergessen wuerdet. Bis dann...

 

 

24.09.2008
Seit einer Woche scheint die Sonne. Holger ist tatsächlich Ende September beim Heumachen. Ziemlich krass, aber man muss die Dinge nehmen, wie sie sind. Zwischenzeitlich sind unsere Böcke geschlachtet, das halbe Terassendach fertig, der online-shop im Netz und die Anmeldung zur Messe in Malung aus dem Haus. Apropos online- shop, die Zeit, die ich (trotz Sonnenschein) im Moment am Pc sitze, geht voll in den shop und deshalb kommt das Tagebuch etwas kurz. Aber auch das ändert sich wieder.
Anlässlich der begonnenen Jagdsaison flammen die Diskussionen um die Wölfe wieder auf. Die Wolfspopulation hat gewaltig zugenommen und Dalarna liegt mitten im wolfsbesiedelten Gebiet. Mittlerweile ist es so, dass man durchaus am hellen Tag einem Wolf auf der Strasse begegnen kann. ( letzte Woche zwischen Östra und Västra Näsberget). Mein Respekt vor diesen Tieren ist mittlerweile einem leichten Unwohlsein gewichen. Die Fälle der gerissenen Schafe steigt. Letzte Woche forderte ein betroffener Schafseigner, dass endlich die Jagd auf Wölfe freigegeben werden soll. Ich muss ihm zustimmen. Die derzeitige Gesetzgebung besagt, dass ein Wolf nur geschossen werden darf, wenn er sozusagen in flagranti erwischt wird. Da dies allerdings höchst selten ist, stellen die Wölfe eine echte Bedrohung dar. Jener Schafseigner konnte nur noch seine gerissenen Schafe zählen und musste jene Tiere, die mit aufgerissenen Bäuchen schwerverletzt auf der Weide lagen, töten. Das brutale bei Wölfen ist, dass sie nicht ein Tier fangen, sondern reissen, was ihnen vors Maul kommt. Sie fressen die noch lebenden Tiere, ohne sie zu töten und lassen sie auch schwerverletzt noch lebend liegen, um sich ein anderes Tier zu schnappen. Tiere, wie bspw. Elche reagieren auf die Wölfe mit Rueckzug, was fuer Schafe und Ziegen das Risiko, als Futterquelle herhaltenzumuessen noch zusätzlich erhöht. Der Wolf, der die Tiere des obengenannten Schafbesitzers gerissen hatte, wurde von einem anderen Besitzer erschossen, als dieser seine Schafsherde angriff. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Wolf insgesamt 85 Schafe getötet. Eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, dass es nicht mehr sehr viele Schafe in Mittelschweden gibt und es auch keine Entschädigung fuer die Schafsbesitzer gibt. Wir haben geplant fuer die nächste Saison Wolfszäune aufzubauen, befuerchten aber, dass die Wölfe lernen, diese zu ueberwinden. Manchmal frage ich mich, ob die menschenscheuen Wölfe nicht in Ermangelung von Futter auch irgendwann ihre Scheu Menschen gegenueber verlieren, wenn sie hungrig genug sind und sie lernen, dass ihnen der Mensch, vor allem wenn er sich nicht mit Waffen wehren kann, weit unterlegen ist. Angesichts der Entwicklung bleibt doch die Abenteuerlust auf der Strecke und Gebrueder Grimms Rotkäppchen wird ein Stueck realer, als es zumindest mir lieb ist.

14.09.2008
Gestern durften wir doch tatsächlich wiedermal einen Geschmack von Sonne erleben. Ich nutzte die Gelegenheit ein bisschen ums Haus herum aufzuräumen, während Holger ein Erdkabel in den Boden buddelte, damit unsere stuga Strom bekommt. Ganz zeitig heute morgen waren ein paar Holländer auf unserem Hof und wollten ein bisschen schaun und Kaffee auf der Terasse trinken. Aber 5 Grad bewölkt lassen es nicht zu, dass man länger sitzenbleibt, als man zum austrinken einer Kaffetasse benötigt. Bei diesen Temperaturen werden die Ziegen bruenstig und Anni stimmte heute morgen solch ein Geschrei im Stall an, dass Holger davon angenervt war, als ich zum Melken kam. Bei jedem Schrei, den sie von sich gibt, denkt man, jetzt hat ihr letztes Stuendchen geschlagen. Nicht dass alle Ziegen schreien, Anni ist einfach sehr extrovertiert.

Ein toller Hecht, den Styk an Land gezogen hat-----------Anni links mit dem wilden Raudi

10.09.2008
Jetzt muss auch ich glauben, dass der Sommer endgueltig vorbei ist. Ich dachte wochenlang jeden Tag : ab morgen kommt gutes Wetter. So wars halt nicht. Definitiv hatten wir insgesamt vier sauheisse Wochen und ansonsten Regen.
Wer jetzt denkt das Wetter in Schweden sei schlecht, der hat unrecht, weil in Jämtland Richtung Lappland hatten sie eine extreme Trockenheit. Auch die Ostkueste hatte durchaus einen Sommer. Die Ärsche waren dieses Jahr wir Svealänder. So ist es auch heute. Ganz Schweden im Sonnenschein, jedoch ein Wolkenband ueber Svealand. Was soll ich sagen? Ich dachte zum erstenmal seit wir nach Schweden gezogen sind an einen Urlaub im Sueden. Aber es kann ja nur besser werden.
Die Jungs hatten am Samstag ihren dreizehnten Geburtstag und sind wirklich richtige teenies. Seit Tim nicht mehr bei uns wohnt ist es sehr ruhig und harmonisch in der Familie geworden, die eine oder andere Auseinandersetzung natuerlich nicht ausgeschlossen. Tim seinerseits fuehlt sich in seiner neuen Umgebung sehr wohl. Dort erfährt er eine Sicherheit, die ihn nicht ständig zwingt, seine Grenzen zu testen. Dies war etwas, was wir ihm in der Gesellschaft ausserhalb unserer Familie nicht bieten konnten. Geichwohl ist nun fuer ihn der Kontakt zur Aussenwelt wichtig geworden. Das ist der Grund, weshalb wir regelmässig Kontakt mit ihm halten.
Nachdem wir eine Phase: in Schweden ist alles besser, als in Deutschland und eine Phase: in Schweden ist alles schlechter als in Deutschland durchgemacht haben, sind wir jetzt bei: es spielt keine Rolle, ob Schweden oder Deutschland angelangt. Langsam verliere ich den Faden, wie es in Deutschland ist, da sich in fuenf Jahren einige Dinge ändern. Nachdem mir Simon seine Kampftelefonate mit Ämtern um Bafög usw. geschildert hat, weiss ich wieder, dass es hier wie da schwierig ist.Einen Unterschied gibt es real: in Schweden gibt es sehr viel weniger Menschen und daraus resultieren einige Dinge im Alltag. Ansonsten gibt es viele Parallelen. Am Interessantesten fuer mich ist zu sehn, dass es zum Beispiel im Schulsystem nicht ausschlaggebend ist, ob man ein strenges System wie in Deutschland hat, oder ein fuer uns vergleichsweise lasches System in Schweden. Es gibt gute und schlechte Schueler, soziale und unsoziale und die ganze Palette, die man sich vorstellen kann. Viel wichtiger scheint der Zeitgeist und die Prägung durch die Familie zu sein. Ich denke heute, dass man gar nicht so um Kleinigkeiten kämpfen muss, da es nicht wirklich ausschlaggebend ist, ob man Doppelstunden hat, Unterrichtblocks oder kuerzere oder längere Pausen oder um was man sonst noch so streitet. Die Probleme sind hier wie in Deutschland ganz ähnlich gelagert. Einen Unterschied sehe ich: der Druck auf die Leistungen ist in Schweden nicht so hart, und damit wird der Alltag stressfreier. Trotzdem finden es auch schwedische Schueler oft ätzend in die Schule zu gehn.

Geburtstagsstileben--------------------------------Tim ist gut drauf



31.08.2008
Die Heuernte läuft nach wie vor auf Sparflamme. Warme oder gar trockene Tage sind wie ein Sechser im Lotto.
Langsam wird es zusehends enger mit der Möglichkeit ueberhaupt noch Futter mit Gehalt zu bekommen. Die Konsequenz ist, dass wir, soweit möglich, ueber den Winter die Tieranzahl reduzieren muessen.
Simon war hier und wir hatten schöne Tage miteinander. Ein Glueck, dass ich eine solche Familie habe!
Anna-Carina ist nun mit Gattel alleine auf dem Hof. Eines Nachts ist der Fuchs in unseren Stall eingedrungen und hat Gattels Tochter den Kopf abgebissen und Anna-Carinas Freund Dino mitgenommen. Die zwei waren vor Schreck erstarrt und wussten nicht, wie ihnen geschah. Anna-Carina und Dino bekam ich im Fruehling, als sie gerade 2 Tage alt waren. Ich hegte und pflegte sie, bis sie gross genug waren, um tagsueber alleine auf dem Hof unterwegs zu sein. Erst am Tag bevor der Fuchs zuschlug, haben wir uns darueber unterhalten, wieviel Spass es macht, ihnen beim Baden zuzusehn. Nach der Fuchsattacke beschloss ich , Gattel und Anna-Carina nachts in einem ueberdachten Auslauf unterzubringen, der direkt vor dem Haus steht und uns als fuchssicher erschien. Gattel allerdings fuehlte sich dort nicht wohl und verkroch sich am dritten Abend unter dem Stall, wo ich sie auch nicht vorholen konnte. Welch ein kluges Tier, dachte ich mir, dort ist sie sicherlich auch vor dem Fuchs sicher. Weit gefehlt! Um zehn Uhr abends schlug er wieder zu. Lukas seis gedankt, dass wir Gattel retten konnten. Schon hatte der Fuchs sein Opfer zwischen den Zähnen, als Lukas, lesend im Bett liegend durch das geöffnete Fenster den Hilfeschrei Gattels hörte. Lukas wusste sich nicht anders zu helfen, als zum Fenster raus nach uns zu rufen. Dies hörten zwar nicht wir, schreckte aber den Fuchs auf und verschaffte Gattel die Möglichkeit sich ihrem Mörder zu entwinden und sich unter dem Holzschuppen zu verstecken. Als Holger und ich rausliefen, hatte der Fuchs, verfolgt von Nora, schon das Weite gesucht. Gattel fluechtete dankbar in Holgers Arme. Seit diesem Abend nächtigen die beiden Entenmädchen im Huehnerhaus, das einbruchsicher ist und auch Gattel fuehlt sich dort wohl und geht mittlerweile, wenn es Zeit wird, selbständig dorthin.
Fuer all diejenigen, die sich ueber die Entwicklung unseres Sohnes (unten auf dem Bild zu sehen) Gedanken machen, sei angemerkt, dass alles mit ihm in Ordnung ist. Durch meinen Sohn habe ich einiges ueber die Entwicklung der skinnheadscene gelernt. Vorallem auch, dass skinnheads urspruenglich und auch heute nicht grundsätzlich mit Nazis gleichzusetzen sind. Unser Sohn ist weit von solch einer Gesinnung weg. Allerdings wollte er schon lange einmal seine Haare rasiert haben. Seine Mutter allerdings, ich also, hatte trotz dreadlocks und blaugefärbter Haare, die ihre älteren Söhne ausprobierten, lange Widerstand geleistet. " Wir als Deutsche in Schweden, das ist doch Provokation! " Tja, da hatte ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Was anderes will ein dreizehnjähriger, der sich und die Welt zu verstehen versucht, als eben provozieren und Grenzen testen? Und ich? Ich finde, dass Lukas schöne Augen richtig zur Geltung kommen, dass die Frisur total easy zu pflegen ist, es sich herrlich anfuehlt, wenn ich ihm ueber den Kopf streichle und ich bin stolz darueber, Kinder zu haben, die sich mit dem Leben und den Menschen auseinandersetzen.



Anna-Carina-------------------------------------------------- Friedel als Turngerät


eine letzte Zigarette vorm Zug------------------------------mein "skinnhead" bei der Rasur


14.08.2008

Wolfgang Becvar sagt in seinem Buch: Wege zur ganzheitlichen Landwirtschaft, dass alle Dinge ihre Berechtigung haben, und wenn man sie nicht erkennt, liegt es daran, dass man unfähig ist, sie zu begreifen und nicht, dass die Dinge keine Daseinsberechtigung haben. Heute Morgen habe ich versucht zu erkennen, was mir der andauernde Regen, der uns daran hindert Heu zu machen, sagen will. Aber ausser, dass dies wohl die Fruechte des tatsächlich schmelzenden Eises ( wo soll das Wasser denn auch hin) sind, ist mir nichts eingefallen. Styk, der mit Holger Heu machen will, hat bestätigt, dass ihm sowas die letzten 30 Jahre noch nicht untergekommen ist. Naja, noch besteht Hoffnung!
Simon schafft es jetzt doch noch zwischen jobben und Studium ein paar Tage an den muetterlichen Herd zu kehren. Am Montag beginnt die Schule wieder und fuer uns endet damit der Sommer. Was soll ich mich beklagen? Schliesslich sind wir Menschen ja die Umweltschweine, also muessen wir mit den Konsequenzen leben und ausserdem ist der Herbst ja auch eine tolle Jahreszeit.

11.08.2008

Was haben der Klimaschwindel und das Oestrogenpflaster gemeinsam? Hinter beidem stehen Konzerne, die Geld verdienen wollen. Was ist der Unterschied zwischen Geldverdienen heute und frueher? Frueher verkaufte man den Leuten Dinge, die sie brauchten oder auch nicht, aber sie funktionierten. Heute verkauft man den Leuten Dinge, die nach dem ersten Gebrauch schon Abfallprodukte sind oder die fuer etwas erklärt werden, was sie nicht sind. Ueber das Klima kann man uns viel erzählen. Nachpruefen können wir nur das, was wir selbst sehen, oder womit wir uns auskennen. Oder war jemand in der Antarktis und hat das Eisbärensterben gesehn? Warum sollte die Natur den weiblichen Körper so erschaffen, dass die Oestrogenproduktion ab ca. 40 nachlässt, wenn es keinen Sinn machen wuerde? Klar, damit die Pharmaindustrie Oestrogenprodukte herstellen kann. Wer sich mit dem Klimaschwindel auseinandersetzen will, dem kann ich nur raten, sich von allen Seiten zu informieren und kritisch genug zu sein, nicht alles, was logisch klingt zu glauben oder in ein lineares Muster zu pressen.( Es gab einmal eine Hochrechnung, dass wenn in Paris die Pferdekutschen in der Anzahl , wie zum damaligen Zeitpunkt errechnet, linear weiterzunehmen, Paris in einer 2 Meter dicken Mistschicht verschwinden wuerde. Dies allerdings war zu einem Zeitpunkt, als keiner ahnte, dass das Auto erfunden wird!) Wer sich mit biochemischen Vorgängen auseinandersetzen will, möge vielleicht die Vorträge von Hans-Heinrich Jörgensen lesen, die sicherlich nicht den Anspruch auf die einzige Wahrheit haben, aber die Kritikfähigkeit und das Verständnis fuer Körperfunktionen erweitern können. Ansonsten bleibt uns nur, die Verantwortung fuer uns und unser Tun selbst zu uebernehmen und uns nicht zu sehr auf andere zu verlassen, oder aber zumindest die Frage stellen, wer hat am meisten Nutzen dabei?

03.08.2008

Ich setze da an, wo ich das letztemal aufgehört habe. Mittwoch vor den Kulturtagen. Das Wetter hat es sich anders ueberlegt, und wir bekamen heisses Sommerwetter mit 30 Grad im Schatten. Die stuga wurde am Mittwoch abend um fuenf fertig. Mit Lisas Unterstuetzung schafften wir es dann, um Mitternacht mit dem Umzug fertig zu sein. Donnerstagmorgen fuhr Lisa nach Uppsala, um am nächsten Abend den Heimflug nach Stuttgart zu nehmen. Wir hatten 2 Tage alle Hände voll, um unsere Besucher/innen zu bedienen. Der dritte Tag war sehr ruhig, da im Nachbarort eine Auktion war, bei der alles versteigert wurde, was nicht Niet-und Nagelfest war, und alle Waldbesucher strömten dort hin, weil es alle taten, und weil man dann sagen konnte, dass es stressig war, weil soviele Menschen da waren. Nur wenige liessen es sich bei einem kuehlen Eis im Schatten unter unserer Birke gutgehn. Zum Abschluss der Kulturtage ueberschlug sich ein völlig dichter Autofahrer, der unsere Schotterpisten wohl nicht so gut im Griff hatte, mit seinem Auto. Abgesehen von einem Schreck, der ihn sicher ernuechterte, ist er heil davongekommen. In Ermangelung von Polizei schickten die Värmländer dann 3 Rettungsfahrzeuge, die nichts zu tun hatten und die Polizei fand den Weg in den Finnskogen nach 2 Stunden tatsächlich auch noch.
Wir lernten eine nette Bremer Familie kennen, die fuer 3 Tage ihr Zelt bei uns aufschlug, um ein bisschen Bauernhofluft zu schnuppern. Am Sonntag kamen dann Åsa, Manu und Maya auf Besuch. Maya meisterte ihre erste Reise mit Bravour und ist eine richtig suesse Maus. Jetzt sind alle abgereist, und der Alltag beginnt wieder. Und damit auch das Regenwetter. Welch ein Glueck, dass wir es geschaft haben, den Teil des Heus, das auf den Wiesen lag trocken heimzubringen. Das andere ist noch nicht gemäht und wir können die nächste Gutwetterperiode abwarten.
Sten, ein Dorfbewohner, der noch an den Kulturtagen bei uns war, wurde von seinem Bruder am Mittwoch tot in seinem Bett gefunden. Stens Herz ist einfach stehengeblieben. Ein schöner Tod fuer den 80jährigen, der letztes Jahr eine Erkrankung an der Wirbelsäule ueberwunden hatte und bis zum Schluss im Winter mit seiner Schneefräse Näsbergets Strassen befahrbar gehalten hatte.



das 6-wöchige Mayawunder------------------------die halbfertige Terasse


die stuga von Aussen-------------------------------die stuga von Innen


19.07.2008

Von wegen fertiger stuga! Zum Einen gibt es viel Kleinkruscht daran zu machen, zum anderen ist die Sommerzeit nicht gerade die Zeit, wo die Handwerker Lust zum arbeiten haben. Wenn dann noch dansbandvecka ist, geht gar nichts mehr. Malung ist ein Städtchen von ca. 5000 Einwohnern und beherbergt in der dansbandvecka zusätzliche 40 000. Da sieht Malung wie ein Campingplatz aus und die Regale in den Läden können nicht so schnell nachgefuellt werden, wie sie leer werden. Wir halten uns da lieber raus und vermeiden es, so gut wie möglich nach Malung zu fahren.
Das Wetter ist fuer Sommer genauso beschissen ( ich kanns nicht anders sagen), wie im letzten Jahr. An Baden ist nicht zu denken, und an Heumachen schon zweimal nicht. Jeden Tag gehen Regenschauer nieder, die wir nur aus alten amerikanischen Spielfilmen kennen. Wenn es nicht bald besser wird, gibt das eine teure Winterfuetterzeit. Die grossen Bauern machen anstelle von Heu Silage, da ist es wurscht, wenn das Gras nicht trocken wird, den anderen Landwirten geht es wie uns. Und wir fuettern unseren Tieren halt am Liebsten duftendes Heu. Naja man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben.
Klein-Maya quäkt mir manchmal uebers Telefon ins Ohr und ich freue mich, wenn sie bald mit Manu und Åsa auf Besuch kommt. Sie scheint ein willensstarkes Mädchen zu werden und hält ihre Eltern ordentlich auf Trab. Wer wird denn nachts schlafen, das ist doch viel zu langweilig!
Seit ein paar Tagen ist Lisa auf Besuch und wir geniessen es total, zusammenzusein. Sie erzählt uns spannende Geschichten von Italien, wo sie bald ihren Wohnsitz hinverlegen wird, und ich hoffe sehr, dass wir dann eine Reise dorthin planen können, um die "Trulli" genannten Steiniglus in natura bewundern zu können.
Vor 2 Tagen sind wir nach Karlstadt gefahren, wo wir noch nie waren und der nächstgelegene Ikea von uns aus liegt. Einfach fahren wir ca. 1,5 Stunden. Ich kam mir vor wie eine Afrikanerin, die ueber die grossen Einkaufsläden mit ihrem Wahnsinnsangebot an Waren staunt. Sowas gibts bei uns in Dalarna nicht! Ein Riesenbauhaus mit allem, was man sich denken kann.( wie in Deutschland halt). Nicht dass ich das vermisse, aber ab und an ist es einfach geschickt. Ein Hauch von Grossstadt. Die Relationen sind hier anders. Heute Morgen war eine Frau aus Linköping bei uns, die uns aufklärte, dass Linköping die fuenftgrösste Stadt Schwedens ist. Wieviele Einwohner? 150 000! Da gibt es also nur noch Malmö,Stockholm, Göteborg und Uppsala, die groesser sind.



13.07.2008
Heute waren wir bei Tommie und Annmarie in Lima. Ihnen hat Ronja gehört. Da Ronja die letzten 3 Wochen bei Tommies Kutschfahrten mit aushalf, nutzten wir die Gelegenheit eine Kutschfahrt zu unternehmen und gleichzeitig war es eine Unterrichtsstunde fuer Holger, sodass wir selbst mit Ronja Touren machen können. Tommie verkauft uns den Schlitten, mit dem Ronja frueher Schneefahrten mit Touristen gemacht hat. Ich träume schon lange von Schlittenfahrten durch unsere herrliche Schneelandschaft. Aber jetzt haben wir erst einmal Sommer! Und der beschert uns hoffentlich die nächsten Wochen gutes Heuwetter. Unsere stuga steht schon fast und soll morgen fertiggestellt werden. Das ist auch nötig, denn wir haben nur noch 10 Tage bis zu den Kulturtagen, die alljährlich stattfinden. Ich produziere wie ueblich Käse und messmör und auch sonst gibt es noch einiges vorzubereiten. Nicht alles wird fertigwerden, aber dann improvisieren wir eben.



O5.O7.2008

Nun werde ich die angehäuften Themen schön der Reihe nach behandeln. Also:
Radon ist ein Edelgas, das bei dem Zersetzungsprozess von Urangestein natuerlich entsteht und stetig an die Erdoberfläche drängt, wo es in unterschiedlichen Konzentrationen abgegeben wird. Radon kommt ueberall auf der Erde vor und stellt auch kein Problem dar, wenn es nicht bspw. unter einem porösen Fundament eines Altbaues an die Erdoberfläche tritt und dort ueber den Keller in die Wohnräume kommt, wo es heute durch gutisolierte Fenster und Wände keine Möglichkeit hat, das Haus wieder zu verlassen. Dies fuehrt zu erhöhten Konzentrationen in der Raumluft. Atmet man ueber Jahre viel Radon ein, kann es zu Lungenkrebs fuehren. Das Radon verlässt zu 99% den Körper ueber die Atmung wieder. Der kleine verbleibende Teil allerdings zerfällt in der Lunge weiter und ein letztes Zerfallprodukt ist Blei, das sich in der Lunge ansammeln kann. Desweiteren gibt ein Teil kurzfristig Radioaktivität ab, welches dann eben im Körper geschieht. Die Devise ist jedoch: allzuviel ist ungesund. In der richtigen Dosierung und kontrolliert nämlich wird Radon zu Heilzwecken in Kurbädern angewandt. Durch den Wärmeprozess, der bei der minimalen Bestrahlung im Körper bei der Anwendung von Radonbädern oder dem Trinken von radonhaltigem Wasser entsteht, werden bspw. Schmerzen des Bewegungsapparates, hervorgerufen durch Arthritis oder Rheuma, gelindert. In bestimmten Gegenden ist der Radongehalt höher, als in anderen. In Deutschland z. Bsp. ist der Schwarzwald oder die Eifel ein solches Gebiet. Da wir auf Granit sitzen ist auch bei uns der Radongehalt in der Erde erhöht. Bohrt man nun ein Bohrloch mit nur 20 cm Durchmesser und wird das Wasser nicht vorher in ein Behältnis gefuehrt, in dem das Radon austreten kann, so fuehrt man das Radon mit dem Wasser direkt in die Wohnräume. Belueftet man diese gut, stellt dies kein grösseres Problem dar. Will man auf Nummer sicher gehn, lässt man das Wasser erst durch ein Gerät fliessen, das eigens dafuer gebaut wird, um das Radon schon ausserhalb der Wohnräume austreten zu lassen. Ein Bach in einer Gegend, in der viel Radon vorkommt, wird kein Radon mehr enthalten, da dieses sich durch die Bewegung des Wassers verfluechtigt. Meine Informationen zum Thema Radon bekam ich von einem Fachmann aus dem Radonkurort Schlema in Sachsen, der sehr hilfsbereit meine Fragen beantwortet hat und mir darueber hinaus einiges Informationsmaterial zum Thema hat zukommen lassen. Mein Abriss hat keinen Anspruch auf völlige Korrektheit und diejenigen, die sich genauer informieren möchten, können dies im Internet oder ueber Umweltministerien tun.( oder beim Radon-Dokumentations-und Informationszentrum Schlema).
Am Sonntag haben wir Tim in seiner neuen Heimat besucht. Dormsjö ist eine heilpädagogische Einrichtung, die bis zu 25 Jungs zwischen 9 und 20 Jahren aufnimmt, die eine ADHD- Autismus- oder ähnlichgelagerte Ptoblematik aufweisen. Die auf waldorfpädagogische Behandlungsgrundlagen ausgerichtete Einrichtung liegt idyllisch abgeschieden an einem See( nämlich dem Dormsjö) und umfasst 5 Häuser, auf die die Jungs verteilt sind und ein grosses Gebäude, das die Schule und den Verwaltungsteil beherbergt. Das Haus, indem Tim lebt ist einfach, aber gemuetlich eingerichtet. Die Klarheit der Regeln, die eigentlich eine Fortsetzung dessen sind, was Tim bereits von seinem Leben bei uns kannte, haben es Tim relativ leicht gemacht, sich einzuleben. Deshalb hat er die Phase, in der er Stuehle schmiss und Dinge zerschlug voraussichtlich bereits hinter sich. Wir haben uns gefreut ihn zu treffen und ich glaube, dass er in Dormsjö gut aufgehoben ist, was mich erleichtert. Bis auf weiteres haben wir einen Vertrag mit der Sozialverwaltung als Kontaktpersonen fuer Tim, was beinhaltet, dass wir Kontakt zu ihm und dem ihn betreuenden Personal halten.
Von Tim aus fuhren wir nach Uppsala zu Manu und Åsa, um endlich Maja kennenzulernen. Fuer Holger und die Jungs war es nur ein kurzes Hallosagen, da sie nach einer halben Stunde schon wieder auf die Heimreise mussten. Trotzdem, dass wir morgens um halbzehn losfuhren, wurde es halb neun abends, als Holger zuhause ankam, und halbzwölf, bis er alle Tiere versorgt hatte. Helena und ich blieben ueber Nacht und fuhren am nächsten Mittag mit dem Zug nach Hause, was eine Prozedur von fast 6 Stunden war. Aber das war es uns wert. Maja im Arm halten zu können, sie zu erleben und zu spueren war herrlich. Welch ein Wunder! Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie relativ alle Dinge sind. Alleine im Krankenhaus Uppsala werden jeden Tag im Schnitt 10 Kinder geboren. Eine alltägliche Geschichte fuer das Personal dort. Und unglaublich einschneidend, wichtig und wunderbar fuer die Menschen, die es im Einzelnen betrifft. Manu und Åsa blieben 2 Tage in der Klinik, bevor sie mit Maja nach Hause gingen. Als ich sie besuchte, war Maja eine Woche alt und ich war beglueckt, wie die beiden frischgebackenen Eltern mit Liebe und Umsicht ihren kleinen Schatz umsorgen, der ihnen die Nachtruhe raubt. Und ich als 6- fache Mutter kann auch noch dazulernen. Z. Bsp., dass HautaufHautkontakt fuer Babies das beste ist, was man ihnen geben kann. Da kommt kein noch so suesses Strampelhöschen ran. Deshalb hat Maja sich noch nicht sehr oft durch enge Ärmel oder sonstige ungemuetlichen Öffnungen von Kleidern zwängen muessen. Tragen Åsa oder Manu sie nicht am Körper, wird sie in eine Decke gewickelt, die ihr die nötige Wärme gibt. Und dann gibt es heute Baumwolltragetuecher, die fuenf Meter lang sind und sich vielfältig und bequem wickeln lassen. Eine herrliches Hilfsmittel, das Manu auch fuer seine geliebten Waldbesuche benutzt, die er jetzt mit seiner Tochter teilt. Manu und Åsa leben direkt neben einem Naturreservat und können, selbst um in die Stadt zu kommen, mitten durch den Wald laufen, was sie auch meistens ausnuetzen.
Tja und zuhause geht der Punk ab. Holger gräbt und betoniert Fundamente, wie ein Wilder. Da wir ja immer alles doppelt und dreifach betreiben muessen, haben wir uns natuerlich auch nicht mit einer Baustelle begnuegt. Das neue Dass, die stuga und die Terasse werden mehr oder weniger parallel gebaut. Da jetzt in Schweden Handwerkerferien sind, wird allerdings die Dachkonstruktion fuer unsere Terasse vor den Kulturtagen doch nicht mehr fertig. Wir versuchen es schwedischgelassen zu nehmen und schaffen halt, was wir hinkriegen. Langweilig wirds nie und genuegend Zeit haben wir auch nie, aber wir machen es so, dass es uns trotzdem Spass macht und das gelingt uns auch meistens

26.06.2008

Einiges ist passiert in den letzten Tagen. Aber das wichtigste Ereignis ist die Geburt Majas. 42 Wochen haben wir auf sie gewartet . Durch ihre Ausdauer in der schuetzenden Höhle ist sie ein kleiner Krebs geworden. Suess, perfekt, atemberaubend. Am Sonntag fahren wir nach Uppsala, um sie endlich in den Arm zu nehmen. 4,5 Autostunden können wir leider nicht so einfach geschwind mal machen. Da muss auf einem Hof mit Tieren schon geplant werden. Jedenfalls bin ich jetzt Oma, und wer wuenscht sich als Kind nicht eine Oma mit Bauernhof ?
Zuerst hatten wir lieben Besuch aus Deutschland. Sie brachten uns so herrliche Dinge wie Wein, Milchschnitten und Muehlibrezeln aus der alten Heimat mit. Dann hatten wir einen Kurzbesuch von einer Tagebuchleserin aus der Schweiz. Auf diesem Weg liebe Gruesse an dich Uschi. Ich fand es toll mal jemanden kennenzulernen, dem mein Tagebuch gefällt. Das motiviert. An der langen Pause war ich diesmal unschuldig, da unser Internet wiedermal nicht funktionierte.
Nebenbei arbeite ich an unserem Lamagårdprojekt, versorge unsere Tiere und unsere Kinder und habe mich radonkundig gemacht. Aber das erzähle ich das nächstemal.

die suesse Maja------------------------------------der glueckliche Papa





14.06.2008

Der Film ueber die Frau und das Wasser wurde in Äthiopien gedreht, erzählte mir eine deutsche Bekannte, die den Film im Deutschen Fernsehen gesehen hat. Unser Wasser jedenfalls fliesst. 600 l im Schnitt per Stunde aus 170 Meter Tiefe, da wo die Kraft des Wassers ausreichte, sich einen Weg durch das harte Granitgestein zu schaffen. Wir sind dankbar und beglueckt diese Energien in unser Haus holen zu können. Zwei Tage habe ich gewuetet, alte eisenbraune Duschvorhänge, eine Duschmatte, verfärbte Geschirrtuecher entfernt, Waschbecken und Badewanne geschrubbt, Berge von Wäsche gewaschen und mich anschliessend selber unter die Dusche gestellt im Bewusstsein, herrlich reines Grundwasser ueber mich fliessen zu lassen. Die Wasseranalyse wird in ca. drei Wochen gemacht.
Holger und die Jungs haben Tim am Mittwoch nach Hedemora in seine neue Heimat gebracht. Er war vergnuegt und fuehlt sich wohl. Einmal am Tag ruft er an, um sich mit uns auszutauschen. Anfang Juli werden wir ihn besuchen.
Unser neues Leben hat begonnen. Jetzt fehlt nur noch das Buzele, das etwas auf sich warten lässt. Aber ich habe Åsa schon gesagt, dass wir im Schwäbischen sagen: es isch no kois drennablieba.
Gerade war unser Bänker mit seiner Familie da. Ein bisschen privat wollte er seiner Familie unseren Hof zeigen, ein bisschen geschäftlich wollte er sehn, wie es vorwärtsgeht. Das schöne an diesem freundlichen Finnen ist, dass er uns unterstuetzt, weil er an uns und unsere Sache glaubt. Schon einmal, in Deutschland, gab es einen Bänker, der uns sein Vertrauen geschenkt hat, und damals ohne es zu wissen, den Grundstein dafuer gelegt hat, dass wir heute da sind, wo wir sind. Es tut gut, dass es solche Menschen gibt, vor allem in einer Zeit, in der so etwas immer seltener wird. Als wir ihnen das riesige Nanduei zeigten, meinte die Mutter Jussis:" erstaunlich, wenn man bedenkt, welch kleine Eier wir Frauen haben" und verschmitzt auf ihren Sohn zeigend:" und was fuer grosse Menschen daraus werden." Recht hat sie und bei manchen uebersteigt die innere Groesse noch die Äussere.



Die Suche nach Wasser-----------------------------ohrenbetäubender Kompressor

das schwarze Rohr wird ins Erdreich getrieben---Abkuehlung im See




05.06.2008
Wasser ist, glaube ich ein gutes Beispiel fuer selbstverständliche Nichtselbstverständlichkeiten in der modernen Welt, oder man könnte auch sagen einer der Unterschiede zwischen unserem alten Leben und unserem neuen Leben.
Auf unserem Grundstueck gibt es 2 Brunnen, die frueher von den Menschen in muehevoller Arbeit angelegt wurden, ausgekleidet mit Natursteinen und einer geschätzten Tiefe von ca. 5 Metern. Im ersten Jahr als wir auf unseren Hof zogen, holten wir jeden Liter Wasser den wir benötigten mit dem Eimer ins Haus. Dann bekamen wir eine Leitung mit Pumpe ins Haus und damit auch Warmwasser aus dem Boiler. Einmal im Sommer wurde das Wasser knapp und wir mussten das Wasser fuer die Tiere in Kanistern anderweitig besorgen. Diesen Winter gab es sehr viel Schmelzwasser , welches bedingte, dass das Wasser sich nicht reinigen konnte und dadurch das mitgerissene Eisen aus dem Gestein in vollem Umfang im Wasser vorhanden war. Die Folgen sind rostigriechendes Wasser und braune Ablagerungen auf allem, was mit dem Wasser gewaschen wird. Ein bisschen Schwefelgeruch, der sich auch durchs Haus zog machte die Wasserversorgung nicht gerade zu einer angenehmen Angelegenheit. Welch ein Glueck, dass wir den Brunnenbohrer bereits bestellt hatten, denn plötzlich gab unsere Pumpe den Geist auf, was bedeutet, dass wir derzeit wieder Wasser aus dem Brunnen mit Eimern holen. Wenigstens ist das Wasser aus dem Suedbrunnen nicht eisenhaltig und schmeckt prima. Zwei Tage waren die Maschinen des Brunnenbohrers bei uns auf dem Hof und machten einen unbeschreiblichen Lärm. Nun sind wir die stolzen Besitzer eines 170 Meter tiefen Loches ins Erdreich mit einem Durchmesser von ca. 20 Zentimetern, einem irrsinnigen Echo und dem entfernten Rauschen von Wasser. Gleichzeitig gehören wir zu den weniger häufigen Menschen, bei denen trockengebohrt wird und das Wasser nicht spontan zu sprudeln beginnt. Häufig sprudelt das Wasser schon nach 60 Metern. Unsere Hoffnung ist nun ein Reinigungsgerät, das mit Hochdruck die Gesteinssplitter aus dem Weg schaffen soll, damit das Wasser fliessen kann. Funktioniert dies nicht, muss neu gebohrt werden. Ob das Glueck oder Pech ist wissen wir noch nicht, da alles was tiefer wie sechzig Meter ist, Meter fuer Meter von uns teuer bezahlt werden muss. Findet man kein Wasser zahlen wir nur fuer die neue Bohrung. Bis dahin vergehen allerdings noch ein paar Tage, in denen wir Eimer schleppen, das Wasser auf dem Herd wärmen und unsere Wasserversorgung fuer die Zukunft noch unklar ist. So wölltet ihr nicht leben? Der Schein truegt!
Unser Wasser hat und wird auch in Zukunft keine Chemikalien enthalten ( abgesehen von dem, was sich heutzutage im Grundwasser befindet). Niemand hat die Möglichkeit unser Wasser zu kontrollieren, bspw. durch zugeteilte Rationen, Zufuehrung von Stoffen, die ich nicht haben will etc. Die Kosten belaufen sich auf ca. 10 000 Euro, aber man bedenke : wir zahlen keine Wasser- oder Abwassergebuehren, was bedeutet, dass ich mein Wasser fuer diesen Preis auf unbegrenzte Zeit zur Verfuegung habe. Und letztendlich, durch die Nichtselbstverständlichkeit habe ich ein völlig anderes Verhältnis zu diesem Thema und bedanke mich bei unserem Wasser, dass es fuer uns fliesst ( hoffentlich) und uns versorgt. Auf Strom kann man verzichten, auf Wasser nicht! Vor ein paar Wochen sah ich einen Bericht, da hatte eine Frau, die alleine ihre Kinder aufzog, irgendwo in Afrika, eine Aufgabe jeden Tag: stundenlang zu einem Wasserloch zu gehen, um anschliessend wieder stundenlang mit 2 Eimern Wasser nach Hause zu gehn. Dieser Frau sollte durch die Spende eines Esels Hilfe in ihrem harten Alltag gebracht werden. Soll ich mich da ueber die 20 Meter zum Brunnen beklagen???! Wollt ihr angesicht dessen nicht auch manchmal dankbar sein, dass ihr nur den Wasserhahn aufdrehen muesst? Es ist nicht ueberall sebstverständlich!

Erika hat ein 575 gr. schweres Ei gelegt-------------------Linus ist am 31.05. als unser Hochzeitstaggeschenk geboren

28.05.2008
So wie auf den unteren Bildern sieht es Gott sei Dank nicht mehr aus. Es ist gruen, wunderschön und 26 Grad warm.
Holger ist gerade dabei, die Schafe von ihrem warmen Wollkleid zu befreien. Ich werde jetzt gleich meine vorgezogenen Tomatenpflanzen ins Gewächshaus setzen und den ersten Rhabarber ernten. Fuer unsere Kinder sind die letzten Schultage angebrochen. Am 11. Juni beginnen die Ferien. An diesem Tag wird Tim nach Hedemora, 2 Autostunden suedlich von uns, ziehen. Dort gibt es eine Schule mit angegliedertem Heim fuer Jungs mit seinen Störungen. Es gibt nur 25 Schueler und die Gruppenstärke im Heim liegt bei 5 Kindern pro Gruppe. Fuer deutsche Verhältnisse traumhaft. Die Anlage "Dormsjö" liegt idyllisch an einem See mitten in der Natur und der Unterricht ist nach Waldorfpädagogik ganzheitlich ausgerichtet. Wir glauben, dass Tim damit eine optimale Unterbringung fuer seine weitere Entwicklung hat.
Und fuer uns tut sich ein Tor der Freiheit auf. Nach der Last der letzten 2,5 Jahre freuen wir uns alle, endlich wieder eine normale Familie mit ihren normalen Problemen zu sein.
Wir hatten lieben Besuch von einem saarländer Franzosen und Holger wird mit ihm in einen Autoteileimport einsteigen. Ich werde meinen " Wollshop" betreiben und die nächsten Wochen werden wir hoffentlich viele Gäste auf dem Lamahof haben, die eine Jacke fuer kuehlere Tage brauchen, oder sich einfach bei einem Eis oder wers deftig liebt bei einem Vesper mit hofeigener Wurst gutgehenlassen wollen.
Und dann warten wir natuerlich mit Spannung auf unser " Buzele". Åsa hatte am Freitag ihren letzten Arbeitstag. In Schweden ist das 2 Wochen vor dem errechneten Termin. Es geht ihr wunderbar und wir hoffen natuerlich, dass alles gutgeht.

der alte Wintergarten ist endlich verschwunden-----------Probeweiden der Lämmer vor dem Umzug ins Dorf



17.05.2008
Man glaubt es nicht, vor einer Woche hat Helena bei 25 Grad draussen Geburtstag gefeiert und heute sind wir im 30 cm tiefen Schnee versunken. Die Singvögel haben sich in unseren Stall gefluechtet, um sich dort mit Futter zu versorgen, und die Bäume, die bereits Laub tragen, biegen sich unter der Schneelast. Die Strassen sind leer, weil alle schon die Sommerreifen aufgezogen haben und es so kein durchkommen gibt. Unsere Stockholmer, die zeitweise im Dorf wohnen waren nachmittags an der Ostkueste Eis essen, und mussten, vom Schnee ueberrumpelt 10 Kilometer vor Näsberget von einem Dorfbewohner abgeschleppt werden. Mir send hald em fjäll.





Stina und Amelie, unsere zukuenftigen Mäusejägerinnen



Marktimpressionen



-----------------------------------------------------------------Lukas bei seiner Lieblingsbeschäftigung

16.05.2008

Gestern hatten wir wieder mal einen Mammuttag mit unterschiedlichen Terminen in Malung. Dementsprechend wurde es abends im Stall später als gewöhnlich. Ich merkte, wie angestrengt ich war, weil mich meine Zicklein, die zwischen meinen Beinen rumsprangen annervten, obwohl mir das sonst gar nichts ausmacht. Ich dachte ans Sofa und meine Lieblingsserie, die um neun Uhr anfängt. Susie, eine unserer Lamastuten kam von der Weide in den Stall. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich ihren aufgestellten Schwanz. Ruhebeduerftig sagte ich ihr sicherheitshalber, dass sie bloss nicht auf die Idee kommen soll, jetzt ein Fohlen zu bekommen. Da Lamas fast immer ihre Jungen in den Vormittagsstunden bekommen, verwarf ich den Gedanken gleich wieder als Ausgeburt meiner Muedigkeit. Ich schon, nicht aber so Susie. Kaum hatte ich ihr meine Meinung gesagt, legte sie sich bereits mit einer Presswehe nieder. Sofa ade, Sendung ade. Weil die Zeit so ungewöhnlich war, packte mich stattdessen Unruhe, dass es womöglich Komplikationen geben könnte. Deshalb ueberpruefte ich , als sich das erste Stueckchen Fohlen zeigte, ob die Geburtslage stimmte. Alles o.k. Um halb zehn hatte Susie einen strammen Jungen geboren, der eine halbe Stunde später schon im Auslauf herumstakste. Erleichtert konstatierte ich, dass Ausnahmen die Regeln bestätigen, dass Sofas warten und Fernsehn schliesslich nicht das Wichtigste im Leben ist.

Mädchengeburtstagsfeier------------------------------------Platz fuer Spiele gibt es genug

morgens um halb sieben ist Geburtstag anstrengend-----grins, grins


06.05.2008
Schon wieder ist eine Woche vorbei. Dieses Jahr haben wir kein Walpurgisfeuer gemacht. Wir hatten "Timfrei", die Jungs fanden ein Feuer langweilig und so taten wir uns keinen Zwang an und genossen einfach die Harmonie. Der Fruehling hat sich mit aller Kraft eingestellt und die Wiesen sind gruen und mit Märzenbecher uebersät. Die Bäume haben ausgeschlagen und die Luft ist erfuellt von Vogelgezwitscher. Ich habe schon einiges in meinem Gewächshaus ausgesät und bin damit so zeitig wie noch nie. Der neue onlineshop ist in Arbeit und wird hoffentlich bald fertig sein. (wer mal spickeln will, kann das unter lamagard.se tun). Am Samstag waren wir mit einer Bekannten auf einer fäboda ( ehemaligen Sennerei). Immer wieder beeindrucken mich die alten Häuschen mit ihrer gemuetlichen Ausstrahlung und ihrem herrlichen Geruch nach Holzfeuer.
Helena hat zum erstenmal bei einer Freundin uebernachtet und, obwohl sie es toll fand, war sie froh, als sie wieder zuhause war. Jetzt lacht nicht, so ist das bei uns "Wäldlern". Wir tun uns manchmal schwer mit Dingen , die fuer andere normal sind. Dafuer gilt das aber in mancher Beziehung auch umgekehrt.

der erste Elch auf der Fruehlingswiese---------------------Märzenbecher im Mai

fäboda aus dem 17.Jhdt. und alles hat ohne Chemikalien und Holzschutzmittel ueberlebt

 

29.04.2008
Bei dem Gespräch mit der Sozialverwaltung und dem Taxifahrer stellte sich heraus, dass der Taxifahrer gar nicht um das Leben unseres Pflegekindes fuerchtete, sondern um seinen Arbeitsplatz. Lukas hatte sich wohl mal so geäussert, dass er sich nicht sicher fuehle, wenn der Fahrer Tim nicht unter Kontrolle habe, und den Fahrer anzeigen wuerde. Das hat Dan wohl veranlasst, seinen Chef schon mal darauf vorzubereiten, der wiederum wohl dachte, gleich mal in Verteidigung zu gehen, indem er uns den schwazen Peter zuschiebt. Mir tut es leid, dass Dan solche Existenzängste hat und ich habe Lukas darauf aufmerksam gemacht, dass es wichtig ist Verantwortung zu tragen fuer das, was man sagt, weil man nie weiss, was man mit seinen Worten bei anderen auslöst.
Heute passierte mir was Lustiges. Ich wollte in Malung in die Bibliothek, um ein paar Buecher abzugeben. Die Tuer war offen. Draussen war ein kleines Schild angebracht, auf dem stand, dass wenn man einen Piepston höre, man sofort die Tuere schliessen solle und auf keinen Fall durchgehen darf. Ich wollte das nicht so recht glauben und ging hallorufend in die Bibliothek, als plötzlich ein ohrenbetäubender Alarm losging. Schnell ging ich raus, und wir beschlossen zu warten, weil wir damit rechneten, dass gleich ein Polizeiwagen mit Blaulicht um die Ecke schiesst und ich mich erklären kann. Nach ein paar Minuten, während der Alarm in unseren Ohren gellte, aber niemand auftauchte, entschieden wir selbst zur Polizei zu fahren. "die sind eh nicht da," meinten unsere Jungs. Prompt standen wir denn auch vor verschlossener Tuere. " Druecke auf Knopf Nr.1", stand auf einem Schild zu lesen. " Kommt keine Antwort, druecke auf Knopf Nr.2". Als sich auch da nichts tat, fanden wir ein Schild, auf dem stand, dass die Polizei nur donnerstags von 9 Uhr- 11.30 Uhr und von 12.30 Uhr bis 15 Uhr zu erreichen ist. Auf dem Weg zum Auto hörten wir, wie der Alarm in der Bibliothek ausging. Als wir einen Brief bei der Kommune abgaben, konnte ich aussen in einem Fenster lesen: dieses Gebäude hat einen Alarm. Na sowas schreckt mich ja wohl in Malung nicht mehr wirklich ab!


Oben Line, unten Anina--------------------------------------auch die Huehner geniessen die Sonne

das Holz fuer den kommenden Winter-------------das Holz fuer den uebernächsten Winter



21.04.2008

Manchmal im Leben muss man sich von Dingen oder Menschen trennen, auch wenn es einem schwerfällt. Stellt man fest, dass es einem nicht guttut, oder gar schadet, bleibt keine andere Wahl. So geht es uns auch mit unsrem Pflegekind Tim. Er hat vieles gelernt, und wir haben auch gelernt. An manchen Stellen sind wir an seine Grenzen gestossen und auch an unsere eigenen. Bis zu den Sommerferien, die in der zweiten Juniwoche beginnen, wird er noch bei uns wohnen, und dann beginnt fuer uns alle eine neue Zeit. Seit einigen Wochen das erste mal, hatten wir wieder mal ein Wochenende mit Tim und ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr bereit bin, soviele Energien zur Verfuegung zu stellen, wie man mit einem Kind wie ihm benötigt.
Der Fruehling hat Einzug gehalten und wir haben seit Tagen wunderschönes Wetter. Der Schnee schwindet zusehends und ueberall versucht sich Gruenes hervorzuschieben. Die Tiere warten ungeduldig auf den Weidegang, der sich aber noch um mindestens drei Wochen verschiebt.
Line, unser "Hauszickchen" hat sich prächtig entwickelt und geniesst das Leben, wo sie nur kann. Puenktlich viermal am Tag meldet sie sich zu ihrer Flaschenkost. Mittlerweile brauche ich sie nur zu rufen, und sie kommt selbst zum Haus. Zilly, unsere älteste Ziege (9 Jahre) hingegen, hat ihre letzten Tage angetreten. Fast von einem Tag zum anderen sind ihre Lebenskräfte geschwunden. Mit ein bisschen Sondernahrung rette ich sie noch fuer ein paar Tage, aber sie verabschiedet sich bereits, weil ihr alter Körper einfach nicht mehr mitmacht. In solchen Momenten fluche ich innerlich ein bisschen ueber mein Leben, indem es sooft um Leben und Tod geht.
Holger ist voll bei der Waldarbeit, um unser Brennholz fuer den nächsten Winter zu sichern. Die besten Stämme werden zu Brettern gesägt, mit denen wir die Suedseite unseres Hauses renovieren wollen. Bauholz ist irrerweise in Schweden wahnsinnig teuer. Da muss ich immer an die Orangenberge denken, die ich als junge Frau in Marokko sah, und die fuer die marokkanische Bevölkerung unerreichbar waren und sicherlich noch heute sind.
Kontrolle ist alles, der grosse Bruder lässt gruessen. Selbst im Tiomileskogen hat man keine Chance, sich zu verstecken. Die Tiere werden kontrolliert, das Auto wird kontrolliert, die Muellentsorgung wird kontrolliert, wir als Pflegeeltern, als Kreditnehmer, als Mitbuerger, als Dorfbewohner und auch als die "Deutschen", werden von allen Seiten kontrolliert. Ein Glueck, dass wir nichts zu verstecken haben. Ungerecht finde ich nur, dass einige der Kontrollen von uns bezahlt werden muessen, obwohl wir ja gar nicht um die Kontrolle gebeten haben!
Und morgen muessen wir in der Sozialverwaltung zu einem Gespräch antreten, weil der Taxiunternehmer, dessen Chauffeur unsere Kinder in die Schule fährt, uns angezeigt hat, weil unsere Sproesslinge Tim nach dem Leben trachten und der Chauffeur seinen Auftrag, die Kinder sicher zu transportieren, nicht nachkommen kann. Tatsache ist, dass Lukas zu Tim gesagt hat, ob er ihm die Augen ausstechen soll, weil er nicht aufhörte, ihn anzustarren. Sicherlich nicht sonderlich freundlich, aber zumindest effektiv, was Lukas Beduerfnisse anbelangte. Die Verwaltung sieht, so wie wir, angesicht Tims Sicherheit keine Gefahr, muss dem Ganzen aber nachgehen, da es sich um eine Anzeige handelt. Schade nur, dass selbiger Taxiunternehmer nicht reagierte, nachdem die Kommunenzuständige ihm, in Absprache mit mir, darum bat , einen anderen Fahrer einzusetzen, da Schwierigkeiten im Taxi ausschliesslich im Zusammenhang mit diesem Fahrer auftreten. Aber nach ueber 2 Jahren kämpfen um eine Verbesserung der Situation, entlockt mir diese Angelegenheit nur noch ein muedes Lächeln.
" das Schweden Astrid Lindgrens existiert nicht mehr", sagte mir eine frustrierte Bibliothekarin, nachdem sie aus ihrem Job hinausgemobbt wurde. Ich selbst denke, wir duerfen nur angesichts von Misständen, egal wo auf unserem Planeten, nicht den Blick fuer die possitiven Dinge verlieren, was zugegebenermassen nicht immer leicht ist. Am besten ist es, mit kleinen Dingen zu beginnen: ich bin gesund, ich kann atmen, ich habe genuegend zu essen, die Sonne scheint...

Helena, Otto und Anina----------------------------Manu und Nora


14.04.2008
Jetzt wird es Zeit, dass unsere Jungs " wireless" ins Internet kommen. Ansonsten kollidieren unsere Interessen, bzw. mein Zeitplan mit ihrem.( das soll jetzt die Eklärung fuer meine duerftigen Tagebucheinträge sein).
Letzte Woche habe ich mich von 5 Wochentagen, vier "durchgemötet".(Möte = Treffen). Montags hatte ich einen Termin in Malung, Mittwoch hatten wir eine "Investierungsdelegation" bezueglich unseres Hofausbaues hier, Donnerstag war ein Treffen mit der Sozialverwaltung eingeplant und am Freitag hatten wir ein Treffen mit jemanden vom Touristenbuero. Fuer Schwedenfans an dieser Stelle eine interessante homepage:www.turistkartan.com. Die Seite gibt es auch auf deutsch. Man findet die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Freizeitbewältigung in der Umgebung Dalarna und Värmland, sowie inspirierende Fotos aus der Gegend.
Heute schliesslich hatten wir Anleitungsgruppe fuer Pflegeeltern. Das Fazit könnte man folgendermassen zusammenfassen: die Voraussetzungen seitens der Regierung bezueglich Schutz von Kindern und Jugendlichen, Betreuung und Hilfestellung von Familien etc. sind relativ guenstig. Die Umsetzung ist aufgrund der Umsetzung der entsprechenden Kommunen und ihrer Mitarbeiter/ innen oft miserabel. Theorie und Praxis liegen auch hier oft meilenweit auseinander.
Fuer diese Woche sind jedenfalls bis auf Weiteres keine festen Termine eingetragen und ich kann mich der Hoffnung hingeben, mich mit der nahenden Pflanzzeit und unserem Onlineshop auseinandersetzen zu können. Da fällt mir gerade ein, morgen haben wir noch einen Termin bei einem Notar. Aber der Mittwoch kommt ja auch bald!

03.04.2008
Zur Einstimmung fang ich mit dem Wetter an. Milde Plusgrade brachten die Schneeschmelze. Eigentlich muesste man Eisschmelze sagen. Das heisst fuer uns, jetzt kommt der ganze Wintermist raus. Im Schnitt fährt Holger 20 Schubkarren täglich zum Misthaufen. Dann kommt die nächste Eisschicht, dann die nächste Mistschicht, aber irgendwann kommt Mutter Erde zum Vorschein.
Eine kleine Episode wie sich die moderne Welt mit der alten Welt treffen können: Lukas hat ein neues Handy bekommen, das er am Abend als Taschenlampe bei seinem Gang zum Dass (Aussenclo) benutzte. Auf der Schuessel sitzend, stellte er fest, dass das Toilettenpapier ausgegangen war. Welch ein Glueck, dass solches dank der modernen Technik kein Problem mehr darstellt. Geschwind rief er im Haus an, um Nachschub zu bestellen. Pech nur, dass er seinen Bruder an die Strippe bekam, der ihn wissen liess, dass er nicht seine Bedienung sei. Glueck, dass er die Schritte seiner Mutter auf dem Hof vernahm. So griff er letztendlich doch wieder zum alten Kommunikationsmittel und liess ein lautklagendes:" Maamaa" ertönen. Das wirkt immer! An den Vorteilen der modernen Technik allerdings, darf man manchmal zweifeln...

Gibt man bei google die Worte Ebbe Schön ein, kommt man zu zwei Ergebnissen: am Strand war ebbe, schön die roten Steine...
Und: Ebbe Schön, geboren 1929, Volksglaubensforscher und Autor. Diesen und seine nette Lebenspartnerin, hatte ich das Glueck, kennenlernen zu duerfen. Er hat fantastische Buecher ueber Goetter, Riesen, Sagen, Volksglauben, Geschichte und Ueberliefertes geschrieben. Es gibt Buecher fuer Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ebbes Traum ist es , dass seine Buecher ueber die schwedische Grenze hinaus, vorzugsweise in Deutschland publiziert werden. Dies soll in naher Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Vethverlag umgesetzt werden, und ich hoffe, dass man in Deutschland noch einiges von Ebbe zum hoeren, bzw. lesen bekommen wird.

 

24.03.2008
Von wegen Fruehling. Satte -18 Grad hatten wir nachts. Man könnte fast sagen, dass es den ganzen Winter nicht so kalt war. Aber nun ist das Thermometer auf -7 nachts und das ist schon fast warm im Vergleich. Im Schneegestöber gingen unsere Drei zum påskskärring( die Osterhexen wuenschen an der Haustuer frohe Ostern und erhalten dafuer Suessigkeiten oder Geld geschenkt). Jonathan und Lukas waren dieses Jahr das letztemal unterwegs und Ostereier suchen musste Helena dieses Jahr alleine, da die Jungs zwar ein Osternest wollten, sich aber fuer die Sucherei zu alt fuehlen. So sei es. Manu und Åsa waren in Norwegen und sind anschliessend ueber die Osterfeiertage zu uns gekommen. Das wird voraussichtlich das letztemal sein, bevor das Buzele geboren wird. Apropos Buzele. Manu studiert derzeit an der Uni in Uppsala deutsch zum Gymnasiallehrer und er hat einiges zu lernen, da er ja von haus aus nicht deutsch, sondern schwäbisch spricht. Der König wird nun mal nicht König, sondern Könich gesprochen. Bei gut 6 Millionen Schwaben sind wir allerdings der Meinung, dass das eine Diskriminierung der schwäbischen Bevölkerung darstellt. Wir beantragen die Akzeptanz der schwäbischen Sprache, es fehlt uns nur noch die passende Institution. Ich darf gar nicht darueber nachdenken, dass ich nicht nur nicht perfekt schwedisch und englisch spreche, jetzt bin ich nicht mal mehr des Deutschen mächtig. Ganz schön hart!


Kommt jetzt endlich der Frühling?---------------------------Gibts hier was Interessantes?




15.03.2008
Die Grippe ist ueberstanden, die Schneeschmelze hat eingesetzt und die Planungen fuer die diesjährige Saison sind in vollem Gange. Ein kleiner Auszug: ein Online-shop mit den Artikeln unseres Hofladens wird in den nächsten Wochen erstellt, ein Blockhaus fuer unseren Hofladen und einer Uebernachtungsmöglichkeit fuer Gäste, eine neue Aussentoilette (auf schwedisch" Dass " genannt) und eine Terasse fuer Cafegäste ist geplant.
Unsere Jungtiere entwickeln sich prächtig und wir haben in den letzten Wochen einiges dazugelernt. Dieses Jahr werden wir es auf alle Fälle vermeiden, dass unsere Ziegenmädchen gedeckt werden. Wir hatten im letzten Herbst das erste mal die Situation, dass wir drei Mädchen in der Herde hatten, die im Fruehling geboren sind, und was wir nicht dachten, von unseren Böcken bereits im Herbst gedeckt wurden. Das Ergebnis davon war, dass ein Zickchen tot geboren wurde, zwei nach vergeblichen Versuchen, sie zu retten, starben, und Line nur ueberlebte, indem ich sie ins Haus holte und die Fuetterung uebernahm. Das Problem ist, dass die Zicklein bei der Geburt zu klein sind, und die Muetter noch nicht genuegend Muttergefuehle entwickeln können, da sie ja eigentlich selbst noch Kinder sind. Dahingegen sind die Kinder unserer erwachsenen Ziegen eine Augenweide und gemeinsam mit unseren Lamafohlen toben sie den ganzen Tag uebermuetig draussen herum.
Ueberhaupt ist es mir immer wieder eine Freude, wie die Tiere unterschiedlichster Rassen miteinander klarkommen. Während eine Ziege in den Lamatrog huepft, um besser ans Futter ranzukommen, hat sich im gleichen Trog ein Huhn niedergelegt um sein tägliches Ei zu legen, wobei die Lamas sich durch diese Aktivitäten nicht davon abhalten lassen, gemuetlich wiederzukäuen. Die Zicklein entdecken die breiten Kuhruecken als tolle Spielplätze und auch zwischen den Hufen Ronjas fuehlen sie sich sicher.
Jonathan und Lukas hatten "Praotage". Das bedeutet, dass die Schueler bei einem Betrieb ihrer Wahl ein Praktikum absolvieren. Allerdings ist die Auswahl nicht ganz so gut, da viele keine Praktikanten nehmen. Lukas fand einen Platz im Hallenbad und Jonathan in einem Möbelgeschäft in Malung. Jonathan hatte viel Spass, da der Chef, ein "Urmalunger", ihn liebevoll unter seine Fittiche nahm. Lukas Anleiter wurde leider krank, und so wurde er zum Bodenschrubben abgestellt. Da Lukas geplant hat Jura zu studieren (die Anwaltskanzlei nimmt auch keine Praktikanten), beschlossen wir, dass Bodenschrubben fuer sein zukuenftiges Berufsleben nicht so ausschlaggebend ist, und ein Tag schrubben ausreichend ist, weshalb wir uns den zweiten Tag schenkten.
Helena war diese Woche mit ihrer Schule in einem nahegelegenen Skigebiet und versuchte sich erfolgreich mit ihren Skiern in den Kuensten des Abfahrtslaufes. Mit ihrer Freundin Paulina war sie vor zwei Tagen in Östra Näsberget unterwegs, um Lottos fuer eine Osterlotterie fuer ihre Klassenkasse zu verkaufen. Mit vollen Geldtueten kamen sie gluecklich von ihrer Tour zurueck. Alle Dorfbewohner hatten sich Lottos gekauft, und die Mädchen mit Trinkgeld versehen. Das ist der Vorteil, wenn man in einem Dörfchen wohnt, indem es sonst keine Kinder gibt.


Ando zu Erika:"bald bin ich grösser, wie du!"-------------Artenvielfalt



Unsere ersten Lämmer--------------------------------------Giseles Zwillinge sind gestern morgen geboren

04.03.2008
Mit Ausschlafen war es denn doch nicht getan. Die Grippe mit Fieber und Erkältung hat mich eingeholt. Die Sportferien haben wir schnupfend und hustend durchwandert. Meine persönliche Meinung zu Krankheiten ist die, dass auf körperlicher Ebene wieder mal angeschubst wird, was auf geistiger Ebene nicht so richtig läuft. Demzufolge ist meine Krankheit auch ein Seelenkampf geworden, in dem ich mein täglich Tun auf den Pruefstand gestellt habe, und mich gefragt habe, was ich eigentlich tue und warum ich das tue, was ich tue. Als Krönung bin ich dann drei Tage aus meinem Alltag herausgetreten. Resume: das was ich tue, mache ich weil ich ueberzeugt davon bin. Um es an einem Beispiel zu konkretisieren: Fuer die meisten Menschen in Europa ist es so, dass sie eine Heizung besitzen. Wenn sie ihre Wohnung warmhaben wollen, zahlen sie fuer Öl oder Gas oder Strom. Die Bude ist immer warm, ohne dass man aktiv etwas dazutut. Bei uns ist es so, dass wir Bäume fällen, Holz sägen und Holz spalten muessen. Jeden Tag muessen wir im Winter Holz ins Haus holen und unsere Öfen fuettern, damit wir es warm haben. Sind wir nicht zu-hause oder schlafen wir nachts, wird es kalt. Das Ganze ist sehr zeitaufwendig und sind wir nachlässig, bekommen wir es zu spueren. Die andere Seite ist die, dass niemand die Macht hat, uns der Wärme zu berauben. Wir unterliegen keiner Öl- oder sonstigen Krise. Wir arbeiten nicht um Geld zu verdienen um die Heizrechnung zu bezahlen, sondern wir arbeiten, um es warm zu haben. Die Wärme eines Holzfeuers ist mit keiner anderen Wärme vergleichbar. Der Geruch eines Feuers ist unwiderstehlich und schliesslich sind wir in täglichem Kontakt mit den Naturelementen, die fuer alle Lebewesen lebensnotwendig sind. Feuer, Wasser, Luft und Erde sind die Elemente der materiellen Welt, aus denen alles besteht. Was dies auf geistiger Ebene bedeutet, ist schwer in Worte zu fassen und ich versuche mich nicht daran, andere können dies besser. Manchmal jedenfalls, durch die Muehen des Alltags, in einer Welt, in der wir die Wahl haben, stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn ich nur eine Heizrechnung ueberweisen muesste...
Ich stelle mir auch vor, wie es wäre, wenn ich die tägliche Auseinandersetzung mit mir selbst oder die ständige Auseinandersetzung mit Leben und Tod einfach beiseite schieben könnte und ein Leben hätte, in dem ich mich durch Vergnuegen und Konsum ablenken könnte. Dann schaue ich mir die Welt an und sehe, dass die meisten Menschen, die auf diese Art leben, nicht gluecklich sind und viel mehr aushalten muessen, als ich und nicht einmal wissen, was ihnen fehlt. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass im August ein Seminar mit Georg O. Gschwandler auf unserem Hof stattfinden wird, bei dem die Teilnehmer/innen genau dies erleben können, nämlich durch die Veränderung der Perspektive, einen völlig neuen Blickwinkel auf sich und ihr Leben werfen zu können. Wer sich dafuer interessiert kann in den nächsten Wochen beim Vethverlag nähere Informationen bekommen.
Ich könnte nun noch Vieles anfuegen, möchte aber darauf verzichten, weil mein Ansinnen darin besteht, Denkanstösse zu geben und nicht Philosophien zu vermitteln. Ein paar Fotos mögen einen kleinen Einblick in unser alltägliches und nichtalltägliches Leben geben.

Asa mit "Buzele"---------------------------------------------Helena, Asa und Manu auf dem Schlosshof von Uppsala



Elf Jahre hat Setos zu unserem Leben gehört-------------das Zicklein hat uns nur kurz besucht

19.02.2007
Die Grippe krassiert immer noch bei uns. Helena war nach 1,5 Wochen heute das erstemal wieder in der Schule. Dafuer mussten Jonathan und Tim mit Fieber zuhause bleiben. Heute abend gesellte sich dann noch Lukas mit Fieber und Husten dazu. Nach strammen Minusgraden ist das Thermometer wieder in den Plusbereich gestiegen.
Unsere Lamafohlen entwickeln sich prima. Raudi und Pila sind auch eine Augenweide. Olga war leider nicht mit Glueck gesegnet, als sie ihren Nachwuchs, zwei Jungen, zur Welt brachte. Erst sah es ganz gut aus, doch dann starb der erste Junge am 2. Tag in meinen Armen. Sein Bruder war auch sehr schwach. Ich versuchte ihn durch extra Flaschenzugabe zu stuetzen. Heute Nacht war ich mehr auf den Beinen, als im Bett. Ich bewunderte den kleinen Kerl, wie er ums Ueberleben kämpfte. Nachdem ich ihm heute morgen, nach der Stallzeit noch etwas Milch einflösste, tat er einen tiefen Seufzer und verabschiedete sich. Es tut weh, wenn man so ein Wuermlein gehen lassen muss. Olga ist untröstlich und war heute abend vor lauter rufen nach ihren Kindern fix und fertig. Dies sind die Schattenseiten, wenn im Fruehjahr der Nachwuchs kommt. Ich merke, wie mir die Muedigkeit nach der schlaflosen Nacht meinen Optimismus nimmt, also werde ich mich erst mal ausschlafen.



Miriam und im Hintergrund Ando----------------------------Raudi und Pila sind gestern Abend geboren


Luzius bei seinen ersten Versuchen auf die Beine zukommen--------Heute morgen um 10 Uhr


12.02.2008
Die vergangenen Tage vergingen mit Sozialarbeit, Grippe, Sonnenschein, Schnee und Besuchen. Die ersten Wochen des Jahres empfand ich als anstrengend. Dies hat allerdings weniger mit den Geschehnissen zu tun, als damit, dass ich diese Zeit immer als trist empfinde.( Weihnachten ist vorbei und der Fruehling noch nicht in Sicht. Das hat fuer mich immer sowas wie stehen an einer Kreuzung, und man weiss noch nicht, fuer welchen Weg man sich entscheiden soll. Nichts desto trotz kuemmert das die Natur gar nicht. Sie setzt sich unverdrossen durch, und hat uns gestern 2 weitere Lamafohlen beschert. Ein Bub und ein Mädchen. Die Namen werden noch ausdiskutiert, die Bilder folgen.
Wir hatten das Angebot bei einer Sendung ueber Auswanderer im Kabeleins mitzuwirken, haben uns aber dagegenentschieden. Wenn tagelang ein Kameramann hinter uns hergestiefelt wäre, das hätte uns alle nervös gemacht
Ich werde nun schliessen, um mit meinem kranken Helenchen eine Runde Jacchi zu spielen.

03.02.2008
Heute vormittag hat das erste Lamafohlen auf dem Lamahof Berg das Licht der Welt erblickt. Im Stadium, das auf Bild 2 zu sehen ist, hat der kleine Hengst gehustet, den Kopf geschuettelt und mit den Ohren gewackelt. Veronika, die auf Bild 4 zu sehen ist, hat letzte Woche ihr Fohlen verloren, und war bei der Geburt heute sehr aufgeregt und hautnah dabei, während die anderen das Geschehen mit Abstand beobachteten.







War das anstrengend------------------------------Hallo! Ando, mein Name.


Polarlichter


Schneegeister


25.01.2008
Gestern hat Veronika, eine unserer Lamastuten ein totes Fohlen zur Welt gebracht. Wir sind sehr traurig darueber, zumal Lamas eigentlich sehr robust sind und problemlos ihren Nachwuchs bekommen. Aber gegen die Natur richten wir nichts aus und wir werden auch nicht erfahren, was bei diesem Fohlen nicht in Ordnung war. Nachdem die ganze Herde in Aufruhr war, entschlossen wir uns, das Junge ueber Nacht im Auslauf zu lassen, damit Veronika Zeit hat, sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Sie ist sehr unruhig und läuft suchend und pfeifend umher. Ich kann ihr leider nicht helfen und hoffe, dass sie bald ueber den Verlust hinwegkommt.
Fuer mich hat sich ein Traum erfuellt, indem ich wieder ein bisschen in das Buchgeschäft einsteigen kann, und zwar so, wie es mir vorläufig am Liebsten ist, nämlich von zu hause aus. Bis Ende des Jahres soll der Geisterjaguar von Georg Gschwandler auf schwedisch erscheinen, und ich habe die Möglichkeit, die Vertriebsanlaufstelle fuer Schweden zu repräsentieren. Erschienen ist das Buch im Vethverlag, der zwar noch sehr jung, dafuer aber umso vielversprechender ist und konsequent seinen Weg, sich zu etablieren, geht. Fuer mich wird das ein interessantes Projekt, in das ich mich allmählich einarbeiten kann und auch eine neue Seite rund ums Buch kennenlerne, da ich ja eigentlich zur Seite des vertreibenden Buchhandels als Sortimenter gehörte.

23.01.2008
Jetzt nutze ich kurz die Zeit, bevor meine Sprösslinge den Platz am Internet beschlagnahmen. Heute ist helplaneringsdag. Das heisst wörtlich"Ganzplanungstag", und bedeutet dass die kids keine Schule haben, weil die Lehrer sich fuer Planungen treffen. Einmal im Monat gibt es einen ganzen und einen halben Planungstag. Tim geht in die Freizeitbetreuung und die Kinder nutzen die Gelegenheit Freund und Freundin mit nach Näsberget zu bringen.
Anni und Ruth, zwei unserer Ziegen, sind mittlerweile kugelrund und wir warten täglich auf Nachwuchs. Ich habe aufgehört die Ziegen zu melken, damit die Kleinen die ganze Power abkriegen. Heute Nacht hatten wir 11 Minusgrade und ich hoffe nur, dass die Jungen dieses Jahr nicht wieder in einer Kälteperiode geboren werden. Die Starken schaffen auch das, aber Zwillinge bspw. haben es schwer. Anni, unsere Zwergziege verlor letztes Jahr eins ihrer Mädchen und Lea konnten wir gerade noch vor dem Erfrierungstod retten, indem wir sie ins Warme holten. Nur die Spitzen ihrer Ohren hat sie eingebuesst.
Am Spannensten wird es dieses Jahr mit den Lamastuten. Leila wird zusehends runder und hat sich zu einer Fressmaschine entwickelt. Sie wird das erste Lamafohlen auf unserem Hof gebären.
Die Kaninchen hingegen pflanzen sich so munter fort, dass wir immer noch versuchen, die Kontrolle darueber zu bekommen, was gar nicht so leicht ist.

15.01.2008
Die Termine jagen sich wieder mal. Tim hat jetzt einen anderen Status und wird für unsere freien Wochenende in ein Kurzzeitheim für Behinderte in Malung eingegliedert. Treffen mit der Psychologin, Besuch in diesem Heim, treffen mit der Schule und den zukünftig an den Wochenenden verantwortlichem Personal standen, und stehen an. Endlich haben wir es mit geschulten Mitarbeiterinnen zu tun, denen man nichts über Autismus erklären muss, und die nicht erst mal in Frage stellen, ob die Diagnose wirklich stimmt. Erleichterung!
Das Wetter geht hin und her und Schneefall wechselt sich mit Tauwetter ab. Das Tauwetter ist immer gleich Sudelwetter, was die Arbeiten am Hof erschwert und die Laune etwas beeinflusst. Trotzdem spürt man nun schon deutlich, wie die Tage wieder länger werden.


Endlich ist unsere neue Türe eingebaut-----------Hufpflege bei einer Angoraziege



Hilda als Kühlerhaubenfigur-----------------------mein Vater beim Schneeschippen




Simon, Manu und ein bisschen Lisa----------------mit wehendem Haar voll in action


eine schöne Bescherung---------------------------ein Päckchen für die Oma



08.01.2008
Das ist echt krass, wie die Zeit verrinnt. Lucia war mein letzter Eintrag. Was soll ich sagen? Termine, Weihnachtsvorbereitungen, full house mit der Familie, Betreuung von Tim, Landwirtschaft...
Am 21. kam Simon von Deutschland. Morgens ist Holger mit Helena und Lukas, der Ziege Rosalie und dem Schäflein Katja nach Uppsala gefahren, wo sie die Tiere zu Astrid, einer Freundin brachten, und Manu, Asa und Simon mit nach Ö.Näsberget nahmen. 2 Tage später kamen Lisa und Tobias an.
Am Heilig Abend gab es diesmal eine kleine Programmänderung. Wir machten nachmittags um vier Bescherung. Anschliessend sind Holger und ich in den Stall gegangen, und um sieben hatten wir unser Festessen, das richtig gemütlich war, weil die Kinder nicht platzten vor lauter warten. Das hat sich wirklich bewährt. Zum Essen gab es Salate, Ente, Lamm und Kaninchen. In der Gmünder Tagespost stand zu lesen, dass die Lauterner Familie Bensching am Heilig Abend Kartoffelsalat mit Hühnchen isst. Aber ihr wisst ja , wie das mit der Presse ist. Lautern stimmt ja schon gar nicht...
Ein paar Neuigkeiten wird uns das Jahr 2008 bescheren: unsere Familie wird um ein Mitglied reicher, Asa und Manu werden Eltern und ich Oma, die Kinder Onkeln und Tanten usw.. Welch eine Freude. Der Purzel wächst ordnungsgemäss, wie der Ultraschall verraten hat. Desweiteren haben wir unsere Arbeit mit Tim gekündigt, nachdem wir mit der Sozialverwaltung zu dem Schluss gekommen sind, dass Tim in einer Einrichtung besser aufgehoben ist. Wie und wo wird nach eingehender Prüfung beschlossen. Tja und alles Weitere wird wieder mal spannend und wird sich im Laufe der Zeit herauskristallisieren und hoffentlich so, wie es gut für uns ist, denn, um wieder mal mit Simons geliebten Spruch zu enden: wenn du nicht bekommst, was du dir wünschst, so bekommst du, was besser für dich ist.




Santa Lucia--Helena ist die 3, von rechts-----------schwedische Farbenpracht im Winter



Wer sagt, dass Hühner nicht fliegen können? -----Schneezauber


 
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